BackstageKlub 2003 / 2004
Animal Farmvon George Orwell
Die Tiere haben die Schnauze voll, sie verjagen ihren nachlässigen und brutalen Bauern. Der Versuch aber, die Farm selbst zu bewirtschaften, endet bald im Fiasko. Denn obwohl alle gleich sein sollen, sind doch einige gleicher.
"Theater spielen ohne Witze ist für Kinder wie Pommes ohne Kartoffeln ." Benedikt (10) und Jonas (10), die die beiden Junghähne spielen, machen sich Gedanken über das Theater, ihre Rollen und den BackstageKlub:
"Theater spielen sollte man aus eigener Lust und nicht nur weil einen die Mutter hinschickt." (Jonas) "Theater spielen ist überhaupt sehr lustig. Man lernt andere Leute kennen." (Benedikt) "Jemand anderer sein, obwohl man man selbst ist, das macht mir Spaß." (J) "Beim Theaterspielen lernt man Selbstvertrauen." (B) "Man soll sich vom Publikum nicht abbringen lassen. Wenn zum Beispiel in einer ernsten Szene einer im Zuschauerraum winkt, dann darf man nicht lachen." (J) "Wenn einer den Text falsch sagt, hat es keine Zusammenhänge mehr, und das versaut das ganze Stück." (B)
"Wenn einer eine kleine Rolle hat, sollte man ihn nicht ärgern. Man sollte nicht angeben. Erstens macht es einen unbeliebt. Und zweitens kann er ja nichts dafür, er hat die Rollen ja nicht verteilt." (J) "Am besten ist, wenn man sagt: du gehst in deiner Rolle auf." (B) "Wir haben schöne Rollen bekommen. Sowas in der Art haben wir auch erwartet, solche Scherzkekse." (J) "Es ist gut, dass es in der Gruppe Große und Kleine gibt. Dass die Schweine älter und erfahrener sind, das passt. Oder Boxer, das Pferd – der kann auch nicht so klein sein wie wir." (B) "Ich will nicht sagen, dass wir die Lustigsten sind, aber zu mir würde ein Schaf gar nicht passen. Das ist nicht mein Typ. Da müsste ich tanzen, und das kann ich nicht, da fall ich hin." (J) "Die Hähne hätten gern, dass die anderen Tiere nach ihrer Pfeife tanzen." (B) "Die würden, wenn sie die Chefs wären, kein Biomassekraftwerk bauen, sondern einen einen Hähneschutzbunker oder sowas." (J)
"Was ich wirklich prima finde, ist, daß wir das viel lustiger machen. Zum Beispiel, wenn das eine Huhn von Chicken Run erzählt und das andere sagt: Das ist hier kein Film. Das ist Theater.‘ Der Film Animal Farm war ja sehr ernsthaft. Theater spielen ohne Witze ist, ich würde mal sagen, wie Pommes ohne Kartoffeln." (J)
"Wir waren in den Räubern im Volkstheater. Es war schon schön, aber manchmal bin ich durcheinander gekommen." (B) "Es wurde modernisiert. Animal Farm haben wir auch modernisiert. Im Buch ist es eine Windmühle und wir haben ein Biomassekraftwerk daraus gemacht. Das ist schon Hightech." (J)
"Zum Theaterspielen braucht man Konzentration, Geduld, richtige Betonung, gute Einfälle, Spaß am Theater, Stimme muss man verstellen können und man muss sich mit dem Text zufrieden geben, den man bekommen hat." (B +J) "Wenn ich erwachsen bin, möchte ich Schauspieler werden." (J) "Genau wie ich." (B) "Der Bene und ich möchten zusammen zuerst Schauspieler und später Regisseur werden." (J)
"Auch mit überwiegend Frauenpower macht’s viel Spaß"Sarah (19 Jahre, spielt eine der emanzipierten Kühe) erzählt von ihren Erfahrungen im BackstageKlub und macht sich Gedanken über Männer und Theater:
Kann eine menschliche Bowlingkugel blitzschnell zu einem Hofdiener mutieren und 2 Sekunden später als erhängte Leiche seltsame Geräusche von sich geben? Ja, sie kann. Denn das erste, was wir im BackstageKlub gelernt haben, ist, dass auf der Bühne mehr möglich ist als man vielleicht zunächst denkt.
Ein Aufruf in der Zeitung: "Wer hat Lust, Theater zu spielen..." – so fing es an. Die Leute vom Volkstheater waren dann äußerst überrascht, dass so viele Lust hatten. Überraschung gab’s wohl von allen Seiten, denn niemand hatte irgendwie das erwartet, was dann kam. Ja, was hatte ich denn erwartet?
Vielleicht einen kleinen Exkurs ins Theaterleben, ein paar Einblicke hinter die Kulissen und vielleicht ein Stück aufzuführen unter der Anleitung von älteren Schauspielern und Dramaturgen. Die älteren Schauspieler und Dramaturgen entpuppten sich dann aber als cool angezogene und aufgeschlossene junge Leute, für die klare Rollenverteilung ein Fremdwort zu sein schien.
Zu Beginn war das allerdings noch etwas eigenartig, beim ersten Treffen vor den 80 anderen Jugendlichen gleich auf die große Bühne des Volkstheaters zu gehen, um sich vorzustellen. Das bereitete schon Herzklopfen und Aufregung. In den nächsten Wochen kamen andere verwunderliche Dinge hinzu: neutral gehen zu lernen oder die Atmosphäre des Raumes zu erkunden. Mittlerweile kichert aber keiner mehr, wenn alle gemeinsam mit geschlossenen Augen die Geräusche des Regenwaldes so wiedergeben, als wäre man wirklich da. Jedes mal eine neue Erfahrung, jede Woche ein Blick mehr ins Theaterleben.
Die männlichen Teilnehmer waren in einer sehr deutlichen Minderheit. (Wahrscheinlich zur Freude der wenigen Jungs.) Aber warum? Muss das so sein? Die Ursache für dieses Mysterium mag wohl an gewissen Vorurteilen des männlichen Geschlechts gegenüber dem Schauspielern liegen. Man weiß es nicht, aber eines ist gewiss: auch mit überwiegend Frauenpower macht’s richtig viel Spaß.
Vor allem in unserer zweiten Runde, wo es um ein Stück in Gemeinschaftsarbeit aller Gruppen zusammen geht. Da wird uns dann bei der Aufführung allen das Herz in die Hose rutschen und die Hände vor Stress feucht werden. Und dann nach der Aufregung werden wir dann hoffentlich alle zusammen fliegen. Theater soll süchtig machen, oh ja, das tut es.
"Müde Augen und Schnitzeljagdsymbiose"Anya (17 Jahre, spielt die Stute Mollie) und Lisa (17 Jahre, spielt Miss Piggy) berichten über das Probenwochenende in der Jugendherberge Landshut:
Am letzten
Donnerstag der Pfingstferien, am 10.06., treffen wir uns "frühmorgens" um 10.00 Uhr vor dem Volkstheater. Erste Feriengeschichten werden ausgetauscht, nicht nur die Außentemperaturen sondern auch die Vorfreude kündigen einen heißen Tag an. Wir sitzen draußen auf der Treppe, mit der Zeit werden es mehr, einige unglaublich wach und fit, andere zum Umfallen müde, schließlich muss man feiern in den Ferien. Irgendwann liegt unser Gepäck auf einem riesigen Haufen und der erste Tag kann beginnen.
Nach vielen Stunden Theater- und Kostümanprobe (noch im Volkstheater) und Riesenpizzen im Hof machen wir uns bereit zur Abfahrt.
Unser Ziel: die Großstadtmetropole Landshut. Eine Zugfahrt mit weitaufgerissenen Fenstern, Warten auf den Bus, ein steiler Aufstieg zur Jugendherberge, Zimmerverteilung, Essen und keine großen Proben mehr - wir reagieren mit: Dankbarkeit.
Freitag. Am Morgen teilen wir uns in Tiergruppen auf (Schweineprobe in Zimmer 53, Schafe und Ziege im Proberaum zum Tanzen...). Und es finden Gespräche zur Rolle statt, wer oder was man ist und wie man wen warum spielt.
Am späten Nachmittag werden wir in Gruppen auf eine kniffelige Schnitzeljagd geschickt. Mit anfänglicher Euphorie stürmten alle los. Bälle werden auf Zielscheiben gespuckt und die Gruppen müssen zusammen einbeinig balancieren. Weil aber alle auf einmal bei einer (wahrscheinlich) unlösbaren Aufgabe grübelnd zusammentrafen, passierte das, was noch nie zuvor bei einer Schnitzeljagd passierte: Zweieinhalb Gruppen schlossen sich, ohne zu fragen, einfach zusammen und knobelten gemeinsam weiter. Herausgekommen ist dabei ein mehr oder weniger perfektes Gedicht und eine Menge Spass mit einer großen Portion Teamgeist. Was ja auch ein Ziel der Reise war.
Samstag. Wir proben und proben und proben. In den Pausen lernen wir Text oder fragen uns gegenseitig ab oder wir sitzen einfach gedankenverloren auf dem Fensterbrett um abzuschalten. Einige identifizieren sich so sehr mit ihrer Rolle, dass sie auch in der Realität nicht mehr richtig davon wegzukommen scheinen.
Nachmittags gehen wir auf die Burg und bekommen eine Führung von einer Dame, die ihren Text wohl schon zu oft sagen musste (Kultur muss schließlich sein), eintönige einschläfernde Stimmen zwischen Speeren und Ritterrüstungen.
Zwischendurch finden selbstverständlich noch mal Proben statt. Die Schafe tänzeln mittlerweile wunderbar über den Laufsteg, die Hunde rappen, die Pferde haben ihre romantische Ader entdeckt... Und alle sind bereits Stars im Luftgitarrespielen...
Am letzten Abend zeigen alle vollen Körpereinsatz auf dem Völkerballfeld, was danach auch den Hosen anzusehen ist. Es gibt Kämpfe um den Ball, ein Haufen von Leuten übereinander und wie immer gewinnt der Kleinste (unser Rabe Carlo), die Großen sind dabei einfach chancenlos.
Dann wollen wir feiern, Party machen, schließlich haben wir es nach der ganzen Arbeit verdient. Es wird getanzt wie nie zuvor. Dann eine grandiose Idee: eine Nachtwanderung. Alle unglaublich begeistert, einige zu begeistert und absolut überzeugt von der Vorstellung, die anderen zu erschrecken.
Wie, darüber machen sie sich keine Gedanken. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum sie sich in Landshut verlaufen und vor allen anderen in der Jugendherberge ankamen.
Sonntag. Am Frühstückstisch verschlafene Gesichter, metertiefe Augenringe und Muskelkater.
Ein paar Kaffeetassen und eine kalte Dusche später eine letzte Probe. Und dann: ab nach Hause...
Ob Trennungsschmerz oder nicht, wir waren alle froh, schnellstmöglich ins Bett zu kommen. Und noch während man einschlief, dachte man ein bisschen fröhlich und sehr erschöpft an die letzten vier Tage voller Proben, Singen, Tanzen und einem Theaterstück, an dem man in den verbleibenden drei Wochen bis zur Aufführung noch weiter arbeiten wird ....
Hahahaha staying alive, staying alive....