Macht.Worte
Folge 2

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Geschlossene Gesellschaft – Alles kann, nichts muss?

Bleibt man unter seinesgleichen, entsteht eine geschlossene Gesellschaft. Als Familie, im Sportverein, in einer religiösen Gruppe, am Stammtisch oder beim sogenannten "Mädelsabend“ bleiben Menschen unter sich. Aber eben auch als Geschlecht, als Ethnie, als Nation oder als Führungsetage in der Wirtschaft. Bleibt man unter sich, verhält man sich anders. Sprache, Zeichen, und Voraussetzungen sind für Außenstehende oft wenig nachvollziehbar. Es herrscht eine Atmosphäre mit eigenen Codes, Normen, Werten und Regeln.

So weit, so gut. Eine freie und demokratische Gesellschaft definiert sich jedoch durch die Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen. Gleiche Chancen für Menschen egal welcher Ethnie, welchen Geschlechts oder aus welcher sozialen Herkunft sind im Grundgesetz als unser aller Rechte fest verankert. In der Realität sind Macht und Teilhabe jedoch nicht so gerecht verteilt und allen zugänglich wie gesetzlich zugesichert. Einfluss und Gestaltungsmacht liegen vorwiegend noch immer in den Händen der sogenannten "alten, weißen Männer“. Sie bleiben unter sich. Und solange Frauen das Erreichen von einflussreichen Ämtern und Positionen erschwert oder sogar verwehrt wird, bleiben sie von wesentlichen Entscheidungen über die Zukunft von Politik, Wirtschaft und Finanzen ausgeschlossen. Was die einen als Realität im Kleinen wie im Großen erleben, wird von den anderen jedoch als Gender-Wahn und übertriebenes Ungerechtigkeitsempfinden abgelehnt. Die Konfliktlinie verläuft mitten in der Gesellschaft durch Familien, Teams oder Freundeskreise und doch wir schaffen es kaum, einen echten Dialog darüber zu führen, wie Gesellschaft offen, gerecht und fair für alle sein kann.

Warum fällt es uns so schwer, konstruktiv und unaufgeregt über Geschlechterrollen, Macht und Teilhabe zu sprechen? Wer beteiligt sich überhaupt am Streit um die Gleichberechtigung? Wie kann ein echtes Committment für eine paritätische Gesellschaft aussehen? Fehlen uns Vorbilder und Visionär*innen? Verhindern Ängste und Unsicherheiten den Fortschritt? Welche mächtigen Männer gibt es im Ringen um die Gleichstellung?

Gäste: Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Journalistin, Prof. Hedwig Richter, Historikerin und Dr. Michael Hirsch, Philosoph und Politikwissenschaftler