Rotes Bayern - es lebe der Freistaat!
Szenische Lesung mit Musik und Liedern

Karten kaufen

Große Bühne

Mit Gert Heidenreich, Gisela Schneeberger, Bernhard Butz, Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun, Hans Well, Sarah Well, Tabea Well, Jonas Well und Lukas Berk

Am 7. November 1918 wurde in Bayern die Wittelsbacher Monarchie abgeschafft und die Republik Freistaat Bayern ausgerufen! Dass dieser Freistaat Bayern, der von konservativen Kreisen so stolz im Munde getragen wird, ausgerechnet von dem Sozialisten Kurz Eisner proklamiert wurde, wird hierzulande gerne unter den Tisch gekehrt. Hans Well kann sich jedenfalls während seiner gesamten Schulzeit an keine Geschichtsstunde zu diesem Thema erinnern. Mit ein Grund mehr, zusammen mit Johanna Bittenbinder, Bernhard Butz, Heinz-Josef Braun, Gert Heidenreich und Gisela Schneeberger anlässlich des 100. Jubiläums der Ausrufung des Freistaats Bayern an die historischen Ereignisse zu erinnern, die Anfang November 1918 begannen.

Das Ergebnis ist ein Programm vom Feinsten, das in gut 90 Minuten die Geburt des Freistaats Bayern vor hundert Jahren so amüsant wie möglich und so drastisch wie nötig beschreibt. Denn die famose Gesellschaft erkundet unter der resoluten Führung von Gisela Schneeberger die Katakomben des Museums der bayerischen Geschichte, und zwar insbesondere die bislang nicht zugängliche "Abstellkammer der Münchner Revolution 1918/19". Subversiv, wie es seine Art ist, ist Hans Well in den Museumskeller eingestiegen – natürlich nur im Geiste.

Mit vielen Originaltexten von 1918/19, teils von bekannten Schriftstellern wie Oskar Maria Graf und Viktor Klemperer, teils von nicht ganz so bekannten wie dem Münchner Rechtsanwalt Max Hirschberg, wird das Geschehen vor hundert Jahren lebendig. Und die Lieder und Musikstücke Marke Well sorgen für beste Unterhaltung.

Die Münchner Räterepublik vom 7. November 1918 bis zum 1. Mai 1919 war wohl der  interessanteste Versuch einer Neuordnung in Deutschland nach Ende des 1. Weltkrieges. Der Schriftsteller Kurt Eisner setzte sich an die Spitze eines Soldaten-, Bauern- und Arbeiterrates und versuchte, durch die Zusammenarbeit von Räten und Parlament mehr Beteiligung des Volkes am politischen Geschehen zu erreichen. Dazu band er auch maßgebliche Vertreter der Bauernschaft ein. Alle Parteien, auch die bürgerlichen, boten der Eisner Revolutionsregierung zunächst ihre Mitarbeit an. Es gab gerade in den ersten Wochen der Eisner-Regierung eine geistige Aufbruchstimmung, allerdings auch viel zu hohe Erwartungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Heinrich Mann sagte in seiner Trauerrede bei der Beerdigung Kurt Eisners: "Diese hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Belebung der Geister gebracht als die 50 Jahre vorher."
Die führenden Köpfe der folgenden Räterepublik nach der Ermordung Eisners am 21. Februar 1919, Literaten wie Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer, erscheinen auch heute, fast 100 Jahre danach noch als hochinteressante Politphilosophen.
Nach der Anforderung von Reichswehrtruppen durch die Bayerische Sozialdemokratie wurde die Münchner Räterepublik Anfang Mai 1919 durch preußische, württembergische und bayerische Freicorps blutig niedergemetzelt.
Das Geschehen vom Sturz der Wittelsbacher Dynastie bis zum Ende der zweiten Räterepublik wurde von bürgerlicher und reaktionärer Seite bewusst stigmatisiert und als  grotesker, blutiger Revolutionskarneval, eine Strizzikratie dargestellt. Inszeniert  wurde sie nach dieser Sichtweise von  landfremden  jüdischen Agitatoren, Schwabinger Boheme-Spinnern und verwahrlosten Soldaten, die es geschafft hatten, dem konservativen, nach Ruhe und Ordnung lechzenden Bayernvolk für ein halbes Jahr ihre Terrorherrschaft und wesensfremde Bolschewisierung aufzuzwingen. Was in den Revolutionsmonaten in München tatsächlich geschah wurde bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.  Wie stark diese Dämonisierung bis heute wirkt, ist auch daraus ersichtlich, dass am 07.November 2018, hundert Jahre später, der Bayerische Ministerpräsident Söder beim Staatsakt in der Oper den Namen Kurt Eisner kein einziges Mal erwähnte.

Pressestimmen

"Rotes Bayern- es lebe der Freistaat" ist Gewinner vom Deutschen Hörbuchpreis 2019.

"Rotes Bayern" ist Feature, Hörspiel und  Revue in einem. Hier wird Geschichte zum Klingen gebracht. Eine Museumsführung dient als Rahmenhandlung und kommentiert höchst ironisch den Blick der Nachwelt auf die Räterepublik. Hörspielszenen, Zitate bekannter Zeitgenossen und eine kabarettistische Untermalung durch Musik sind gekonnt miteinander verwoben und geben dem Zuhörer das Gefühl, an den Münchner Ereignissen teilzuhaben. Das Feature belehrt nicht, sondern erzählt, kommentiert und unterhält." Begründung der Nominierungsjury

"Revolution in Bayern! Die Geschichte der Gründung des Freistaates und der Räterepublik als Hörspiel - kenntnisreich und witzig, klug und gewürzt mit bitterbösem Humor. Familie Well und ihre Mitstreiter beleuchten eine zentrale Episode der bayerischen Geschichte, die offiziell oft als Randnotiz behandelt wird. Egal ob zeitgenössische Quellen zitiert, historische Momente nachgespielt oder hintergründige Lieder angestimmt werden: Wissensvermittlung war selten so unterhaltsam." Begründung der Preisträgerjury