Das Bild zeigt Manfred Lütz
Das Bild zeigt Claus Günther, einmal im heutigen Alter und links als kleiner Junge.
Das Bild zeigt Floriane Azoulay
Das Bild zeigt Fanny Ben-Ami im heutigen Alter und als junge Frau.

Gespräche gegen das Vergessen

Bei den diesjährigen Gesprächen gegen das Vergessen soll es um die "Jugend" gehen. Wie erlebten junge Menschen die NS-Zeit? Welche Folgen hatte die Diktatur? Und welche Erkenntnisse können Jugendliche heute aus der Vergangenheit in die Zukunft tragen?

Antworten liefern zwei besondere Zeitzeug*innen: Fanny Ben-Ami aus Tel Aviv und Claus Günther aus Hamburg. Dabei soll sowohl die Opfer- als auch die Mitläuferperspektive betrachtet werden. Fanny Ben-Ami erzählt von ihrer Jugend im Jahr 1943. Die damals 13-jährige führte eine Gruppe jüdischer Kinder bei ihrer Flucht durch Frankreich vor der Deportation an. Eine filmreife Abenteuergeschichte von Mut, der Liebe zum Leben und dem unerschütterlichen Drang nach Freiheit. Ganz anders verlief die Jugend von Claus Günther: Er war ein Kind in Hamburg im November 1938, als sein Vater in SA-Uniform die Fackel trug um eine Synagoge in Hamburg mit zu zerstören. Claus Günthers Vorbilder hießen Hitler, Göring und Goebbels. Seine Schulbücher waren bebildert mit Helden in Naziuniformen. Seine Überzeugung war es, einer überlegenen "arischen Herrenrasse" anzugehören - denn das erzählten die Wissenschaftler und Zeitungen jener Zeit. Aber nach Kriegsende erfuhr er, welche zerstörerische Wirkung die Nazi-Ideologie hatte.

Beide Gäste gewähren Einblicke in ihre Vergangenheit und haben einen gemeinsamen Appell an die Zukunft und an die Jugend: Menschenrechte und Freiheit wahren. Wie dies gelingen kann, zeigen die Projekte der Arolsen Archives – vorgestellt von der Direktorin Floriane Azoulay. Welche Auswirkungen das Erlebte für die Psyche der Menschen hatte und was das große Nachkriegsschweigen verursachte, dazu wird der Psychiater und Theologe Dr. Manfred Lütz Stellung nehmen. 

Musikalische Umrahmung: Daniel Kahn
Moderation: Prof. Andreas Bönte