So klopft Rau als Gynäkologe Doktor N. geschäftsmäßig behutsam nach den Reflexen der Skulptur. Gesetzestreu die angebrachten Untersuchungsanweisungen gebend und die angemessenen Anamnese-Fragen stellend, unterbindet er mit der raschen Abfolge von Sätzen jede genuine Gegenreaktion. Hier ist jemand am Werke, der "innerhalb des Gesetzes, nicht über das Gesetz" urteilt. Jemanden, der die Macht, die ihm das Wissen um das Geheimnis der Protagonistin verschafft, missbrauchen will, gibt Gerling mit ihrer Darstellung des Jean T. und ändert abrupt die Laufrichtung, als dem Kommilitonen in den Kopf schießt, dass die junge Frau sich nicht nur hilfesuchend an ihn als Konspirateur wendet, sondern ihm auch patriarchal ausliefert ist: "Du bist doch sowieso schwanger. Es kann nichts passieren".
Ausführlicher als diese kurzen Momente des Rollenspiels gestaltet Engheben die Situation mit der schlussendlich in Paris aufgefundenen Madame P.-R., welche die Abtreibung für teure 400 Francs durchführen wird. Der Raum in violettes Licht getaucht, steht Israel erhöht auf einem Podest. Sie wiederholt den Satz "Worum geht es, Mademoiselle?" und begibt sich in eine gebückte Körperhaltung hinein. So bittet eine auf einmal alte Frau mit Gesten der Kurzsichtigkeit und einer von der jahrzehntelangen illegalen Arbeit geprägten Stimme zur Türe herein. Das "Bild des Zimmers", von dem Ernaux schreibt: "Es entzieht sich der Analyse. Ich kann nur darin eintauchen", entsteht mitsamt seiner klassenspezifischen Ausstattung in der Spielweise Israels.