Der Idiot
Fürst Myschkin wird in der Petersburger Gesellschaft immer wieder als "Idiot" bezeichnet. Nur so lässt sich erklären, dass er zu keiner Lüge imstande ist. Auf der Rückreise von einem Sanatoriumsaufenthalt lernt der Fürst im Zug Rogoschin kennen, der von seiner Leidenschaft zur "beängstigend schönen" Nastassja Filippowna erzählt. Rogoschin zieht den Fürsten in ein dunkles Beziehungsgeflecht, vor dem ihn auch seine Verwandten um die resolute Generalin Lisaweta Prokowjewna und deren kluger Tochter Aglaja nicht bewahren können. Für alle bleibt er ein gutmütiger "Idiot", ein heiliger Narr in Christo, der in die moderne Gesellschaft nicht passt, weil er ihr den Spiegel vorhält.
"Der Idiot" ist Dostojewskijs zweite "große Romantragödie", die die Autorin und Regisseurin Milena Michalek neu bearbeitet und für unsere heutige Zeit erschließt.
Besetzung
"Der Humor rangiert in Facetten des Slapstickhaften und Absurden zwischen Monty Python und Loriot [...]. Trotz Witz, visueller Kniffe und großzügiger Aussparungen verwandelt Michalek den 'Idioten' nicht in leichtbekömmliche Abendunterhaltung. [...] Ein Stück dieser Größe ist und bleibt ein Kraftakt. Einer, den das Ensemble bravourös meistert." - Westfälische Nachrichten
Hinweise zur Inszenierung
Sensorische Reize
Ton
- Lautstärke der Musik
- plötzliche laute Schreie
- plötzliche laute Geräusche
Beleuchtung
- Dunkelheit
- blendendes Licht
- plötzliche Lichtwechsel
Bild & Video
- großflächige Videoprojektion von Live-Kameraaufnahmen
Geruchs-, Tast- und Atemreize
- Zigarettenrauch (Kräuterzigarette)
Content Hinweise
Die Inszenierung zu "Der Idiot" verhandelt Themen wie physische und psychische Gewalt sowie gesellschaftliche Zuschreibungen.
Dies betrifft insbesondere die sprachliche Thematisierung von…
- physischer Gewalt (Köpfung)
- sexualisierter Gewalt (Vergewaltigung)
- sowie der schweren Erkrankung einer der Figuren
- sowie der Darstellung von physischer Versehrtheit in Form einer Ohrfeige.
Der titelgebende Begriff "Idiot" wird von seiner Nutzung zur systematischen Diskriminierung und Verfolgung von Menschen mit Behinderungen geprägt und ist somit ableistisch. In der Inszenierung wird er bewusst verwendet und wird den Handlungen der Figur entgegengesetzt.