Das Foto ist in schwarzweiß und zeigt zwei Kinder. Ein Kind hält eine Pistole.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

Am Vorabend von Weiberfastnacht verlässt eine junge Frau von siebenundzwanzig Jahren gegen 18:45 Uhr ihre Wohnung, um an einem privaten Tanzvergnügen teilzunehmen. Vier Tage später, nach einer – man muss es wirklich so ausdrücken – dramatischen Entwicklung, am Sonntagabend um fast die gleiche Zeit gibt sie der Polizei zu Protokoll, sie habe mittags gegen 12:15 Uhr in ihrer Wohnung den Journalisten Werner Tötges erschossen…

Wie entsteht das Bild von einem Menschen? Wer entwirft es, formt Ereignisse, Emotionen und zufällige Situationen zu einem Narrativ und wie kommt dieses Konstrukt an die Öffentlichkeit? Ist es möglich, diesem medialen Bild zu entkommen? Heinrich Böll hat in seiner berühmten Erzählung eine Maschinerie beleuchtet, deren Wirkmacht und Gewalt sich in unserer Gegenwart extrem potenziert hat. Shitstorms, Filterblasen und Hass im Netz haben die Meinungsmache der Boulevardpresse auf ein völlig neues Level gehoben. Katharina Blum steht damit Patin für viele aktuelle Beispiele. Sie gerät unversehens in einen Strudel aus Sensationsgier, gepaart mit öffentlicher Häme und Frauenhass. Auf ein zufälliges Treffen, eine Liebesnacht folgt so in kurzer Zeit der Verlust der eigenen Geschichte, der eigenen Person, des eigenen Bildes.

Premiere am
Bühne Viktor Reim
Kostüme Julia Dietrich
Sound Romain Frequency
Dramaturgie Leon Frisch
Licht Björn Gerum

Besetzung

Katharina Blum Ruth Bohsung
Journalist Werner Tötges Julian Gutmann
Kriminalkommissar Erwin Beizmenne Jonathan Müller
Kriminalassistent Walter Moeding Max Poerting
Moderatorin / Katharina Blum II Nina Steils