Das Foto zeigt das Münchner Volkstheater von außen

Feeling Faust

Goethe widmete fast seine komplette Lebenszeit dem Schreiben des Faust-Stoffes und er hat es geschafft: Mit Faust hat er deutsche Kulturgeschichte geschrieben und prophetisch vorausgeahnt, wohin menschlicher Ehrgeiz und Erkenntnissucht führt. Auf seiner Reise mit Mephisto - erst durch die kleine, dann durch die große Welt -hinterlässt Faust fortwährend verbrannte Erde. Das faustische Streben mit seinem Glauben an die Wissenschaft, Technik und moderne Mobilitätsidealen galt lange Zeit als Vorbild und "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen" so heißt es in Faust II. Im 21. Jahrhundert angekommen schauen wir auf eine vermeintliche Erfolgsgeschichte faustischen, männlichen Fortschritts- und Machtstreben zurück. Das was Goethe in Faust exemplarisch angelegt hat, haben wir längst überschritten. Doch ist die Geschichte nicht mehr optimistisch zu lesen. Wir stehen vor einer ungewissen Zukunft und dies könnte der kälteste Sommer unseres Lebens sein. Im Zuge menschlicher Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen und der immensen Bedrohung durch den Klimawandel kommt das faustische Streben und der deutsche Mythos FAUST an seine Grenzen. "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan" sind die letzten, erlösenden, utopisch anmutenden Worte in Faust II. Hat das Patriarchat ausgedient oder wo zieht es uns hin?  Claudia Bossard und Team entwerfen eine feministische Sicht auf den Faust-Stoff. 

Premiere am
Premiere Fr 28 Okt 2022
19:30 Uhr Bühne 1
Sa 29 Okt 2022
19:30 Uhr Bühne 1
Kostüme Andy Besuch
Künstlerische Mitarbeit Kostüme Frank Salewski
Video & Sound Annalena Fröhlich
Dramaturgie Katja Friedrich
Licht Björn Gerum