Das Foto zeigt das Münchner Volkstheater von außen

hyper (UA)

Auf paradoxe Weise fiel der Lockdown 2020 mit dem Ausbruch eines ungewöhnlich warmen Frühlings zusammen. Während die Natur in voller Pracht erblühte, überschlugen sich die Nachrichten von überfüllten Intensivstationen und Leichentransporten. Das Virus wütete wie eine Naturgewalt und wurde in Kriegsmetaphern bekämpft, gleichzeitig schwärmten Menschen von der Rückeroberung verdrängter Flora und Fauna. In einer Periode, in der Kontakt zur eigenen Spezies als Gefahr eingestuft wurde, suchten viele Trost und Ablenkung im Grünen, klickten sich via Webcam in Naturreservate oder sahen Tierdokumentationen.

Die friedliche Symbiose von Mensch und Natur gehört der Vergangenheit an. Längst ist der Mensch zum destruktiven Fremdkörper geworden, der die Natur weitestgehend aus seinem Alltag ausgeschlossen und zur Freizeitattraktion umgedeutet hat. Künstlich angelegte Territorien versprechen kontrollierte Dosen Ruhe und Erholung, die schwindenden Naturräume werden zu romantisierten Zufluchtsorten, zum besonderen Erlebnis spiritueller oder sportlicher Art. Warum wird mit „wahrer“ Natur gleichzeitig ihre Unberührtheit assoziiert? Ist der moderne Mensch als Teil von ihr nicht mehr denkbar?

„hyper“ ist das absurd-komische Porträt eines jungen Menschen, der nach einer Begegnung mit dem Tod eine Faszination für den Übergang des Körpers in einen anderen Zustand entwickelt. Seiner Umgebung entfremdet, zieht er sich in die Natur zurück, wo er sich, aller Überforderung zum Trotz, entschieden ihren Kräften aussetzt. Um diese erfahrbar zu machen sucht der Videokünstler Florian Schaumberger nach einer Erzählweise, die digitale und analoge Formen assoziativ verknüpft. Es entsteht eine poetische, audiovisuelle Collage, die die Authentizität sinnlichen Erlebens in einem Raum größter Künstlichkeit und Täuschung hinterfragt und den Widerspruch zwischen Unmittelbarkeit und Digitalität aufzulösen versucht.

 

Premiere am
Premiere Fr 04 Mär 2022
20:00 Uhr Bühne 2
Sounddesign Benedikt Brachtel
Kamera Niko Knoblauch
Dramaturgie Rose Reiter
Video / Bühne / Kostüme Florian Schaumberger

Besetzung

Heinz Brenner