Die Männertoilette als Schauplatz: Hier wird verglichen, geprahlt, weggeschaut, provoziert – und manchmal auch Schutz gesucht. In "Jungs kurz vorm Heulen" verkörpern fünf Schauspieler mehr als 40 Rollen und entwerfen dabei ein fesselndes, vielstimmiges Panorama von Männlichkeit. Kaleidoskopartig führt das Stück durch unterschiedliche Lebensphasen – von Kindheit und Jugend bis hin zum körperlichen Verfall – und leuchtet so einen Mikrokosmos männlicher Prägung aus: die öffentliche Toilette.
In den fein gezeichneten Szenen geht es um Körperbilder, Misogynie und Gewalt, aber immer wieder auch um Scham und Verletzlichkeit. Es geht um die Angst, nicht männlich genug zu sein, um den Druck, keine Schwäche zeigen zu dürfen und darum, was dieser Druck mit Männern und mit den Menschen um sie herum macht.
Das Debütstück des britischen Dramatikers Sam Grabiner ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit männlichen Selbstbehauptungsmechanismen – und ein Blick dorthin, wo Männer sich unbeobachtet glauben. In London uraufgeführt, wurde es 2025 unter anderem mit dem Olivier Award ausgezeichnet. Regisseur und Dramatiker Marco Damghani, Gewinner des Publikumspreises beim Festival Radikal jung 2026, bringt nun die deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne des Münchner Volkstheaters. Nach seiner Inszenierung "Keine Aufstiegsgeschichte" am Ernst Deutsch Theater in Hamburg setzt Damghani damit seine Auseinandersetzung mit männlichen Rollenbildern fort. Er fragt danach, wie gesellschaftliche Erwartungen in Körper und Biografien eingeschrieben werden – und welche Narben dabei entstehen.