Heutzutage ist das Schlachthofviertel eines der letzten Viertel in München, in denen Arbeit und Gewerbe noch so stark miteinander verbunden sind. Siedel beobachtet während ihrer Führungen, dass sich viele untereinander kennen und es ein sehr gutes soziales Miteinander gibt. "Wenn man öfters im Viertel unterwegs ist, lernt man sehr schnell Menschen kennen, die dort arbeiten oder wohnen." Vor allem italienische und griechische Gastarbeiter*innen, die ab den 1950er und 60er Jahren nach München kamen und im Vieh- und Schlachthof Arbeit fanden, prägten das Viertel. Spuren lassen sich heute noch finden. So gibt es in der Kirche St. Andreas in der Zenettistraße nach wie vor einen italienischen Gottesdienst. Und in der Lindwurmstraße hat die italienische katholische Gemeinde München ihren Sitz. Nach wie vor wird sehr viel Griechisch auf den Straßen und in den Lokalen gesprochen. Ein beliebter Treffpunkt ist das Panorama, ein griechisches Lokal in der Adlzreiterstraße.
Die meisten Nachkommen der damaligen Gastarbeiter*innen, die heute noch im Viertel wohnen, arbeiten mittlerweile im Dienstleistungssektor, wie Elisabeth Siedel erzählt. "Den klassischen Arbeiter gibt es in dem Sinne kaum mehr. Außer eben die echte Schlachterarbeit. Das machen mittlerweile Osteuropäer." Bei einem ihrer Führungen gesellte sich ein Mechaniker aus einer KfZ-Werkstatt ebenfalls in der Adlzreiterstraße dazu, der aus einer Gastarbeiter*innenfamilien stammt und in München geboren ist. Als Siedel ihn darauf Ansprach, wo er wohnt, zeigte er auf das Haus, in dessen Hinterhof sich die Werkstatt befindet. Und das macht den Charme dieses alten, nachbarschaftlichen Viertels aus. Dass hier das Arbeiten, Wohnen und soziale Leben noch an einem Ort stattfindet.