Die Größe und die rege Aktivität der Gruppe im Schlachthofviertel hing vor allem mit der Besonderheit des Viertels zusammen, zu dem neben dem Schlachthof auch das benachbarte Arbeitsamt, der damalige Südbahnhof und die Großmarkthalle gehörten. In der Gegend gab es kaum Industrieunternehmen, dafür aber eine Vielzahl an kleinen Handwerksbetrieben, die als Zulieferer für die mechanische Ausstattung des Schlachthofs und der Großmarkthalle tätig waren. Sowohl der Schlachthof als auch die Großmarkthalle boten mit ihrem wechselnden Bedarf an Arbeitskräften Arbeitslosen und Gelegenheitsarbeiter*innen ein Einkommen. Zudem war das Viertel damals „ein urbanes und nicht zuletzt aufgrund zahlloser Gastwirtschaften und Stehausschänken sehr lebendiges und kommunikatives Viertel“, wie es der Historiker Hartmut Mehringer formuliert. All das machte das Schlachthofviertel zu einem sehr außergewöhnlichen Milieu, das einen starken politischen Zusammenhalt aufwies und von den Behörden nur schwer zu kontrollieren war.
Aufgrund der massiven politischen Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten, war die Widerstandsgruppe im Schlachthofviertel jedoch nur wenige Jahre aktiv. Im Sommer 1935 flog sie auf. 75 Personen wurden festgenommen und zu sog. "Gefängnis- oder Zuchthausstrafen" zwischen vier Monaten und vier Jahren verurteilt. Viele wurden zum Tode verurteilt oder ins Konzentrationslager deportiert. Der Bayerischen Politischen Polizei, der späteren Gestapo, gelang dies mit der Hilfe des Spitzels Max Troll, der unter dem Decknamen "Theo" jahrelang im kommunistischen Widerstand in München tätig war und sich auch in die Gruppe im Schlachthofviertel hineinschlich. Troll denunzierte hunderte von Widerstandskämpfer*innen der verschiedenen Stadtteilgruppen.
Nach den Massenverhaftungen 1935/36 wurde die kommunistische Opposition in München über Jahre politisch verfolgt und massiv unterdrückt. Erst mit dem Kriegsende fanden sich langsam wieder Wege, kommunistischen Widerstand zu organisieren.
Seit dem Umzug an unseren neuen Standort im Oktober 2021 beschäftigen wir uns in mehreren Teilen mit der Geschichte des Schlachthofs in der Tumblingerstraße und unserer neuen Nachbarschaft. Alle Artikel finden Sie hier auf unserem Blog.