Rührt die Attraktivität des Festivals nicht auch daher, dass das Publikum nicht reisen muss, um sich all die Inszenierungen anzuschauen?
Ein Festival ist ein Geschenk an die Stadt und ihr Theaterpublikum. Der Austausch dabei ist die wichtige zweite Hälfte eines Theaterabends. Wenn man gemeinsam feiert und anfängt, miteinander zu sprechen, sich vielleicht auch streitet. Das ist das Besondere an einem Festival im Gegensatz zum normalen Theaterbetrieb.
Wie wichtig ist das Rahmenprogramm als Ort des Austauschs?
Die Veranstaltung "A New Hope" bringt das ganz gut auf den Punkt. Sie versammelt Protagonist*innen aus zivilgesellschaftlichen Bewegungen, die zwischen Politik und Kunst einiges bewegen. Wie Jean Peters, der das Peng! Kollektiv mit gegründet und mit Correctiv die rechtsextreme Konferenz in Potsdam aufgedeckt hat. In diesem Bereich tun sich gerade gesellschaftliche Akteure mit Künstler*innen zusammen, die dadurch eine ganz wichtige Arbeit bei der Verteidigung der Demokratie leisten.
Dieses Jahr gibt es wieder einige internationale Produktionen im Programm. Inwiefern ist der Austausch über die Ländergrenzen hinweg wichtig?
Dadurch holen wir nochmal besonders ästhetisch-radikale Inspiration aus anderen Theaterwelten in den deutschsprachigen Raum. Wie mit "Goodbye, Lindita", eine Performance über Tod und Sterben aus Griechenland. Ganz ohne Worte, aber mit einer unglaublichen Schönheit auf der Bühne. Oder "À la Carte" aus Dänemark, eine sehr stark von Strukturen der neuen Musik geprägte Produktion. Mit "Up your Ass" gibt es auch eine trashige, sehr laute, bunte und spielerische Arbeit aus den Niederlanden.