Das Foto zeigt das Münchner Volkstheater von außen

europa flieht nach europa

ein dramatisches gedicht in mehreren tableaus

Europa spielt mit ihren Schwestern im Wasser. Eine Herde Stiere kommt angetrabt und die Königstochter Europa sieht dem größten, schönsten Stier in die Augen. Er nimmt sie mit sich und schwimmt mit ihr zu einer fernen Insel. Soweit so gut. Diese Europa wird allerdings nicht von Zeus vergewaltigt wie im griechischen Mythos. Sie schlachtet den Stier und ruft einen Kontinent aus, der nicht auf Blut und das Recht des Stärkeren gegründet werden soll. Hoch lebe die Hoffnung: alles soll anders werden als es ist.

Aber so leicht scheinen sich die Jahrhunderte von Krieg, Kolonialismus und Kapitalismus, die Europa geformt haben, nicht abzustreifen. Plötzlich werden wieder Grenzen mit Blut gezogen, auf einmal hat wieder jemand gewonnen, ein anderer verloren und ruck zuck ist man wieder in verdächtig vertrauten Bahnen von Gewalt, Gegengewalt und Herrschaft.

Miru Miroslava Svolikovas dramatisches Gedicht lässt in einem Wirbel aus skurillen Figuren und absurden Szenerien zwischen kleinen Königen, dem Karneval des Lebens oder einem Chor von Putzkolonnen Fragen nach der Grundlage der europäischen Idee aufkommen. Dieser Kontinent – je nach Erzählung mal Speerspitze der Aufklärung, mal schwer bewachte Festung – wird zurzeit von gewaltigen Krisen beherrscht. Die Inszenierung von Anna Marboe wagt einen Spagat zwischen absurder Komik und der Reflexion über die grausame Geschichte eines Kontinents.

Premiere am
Premiere Do 25 Mai 2023
20:00 Uhr Bühne 2
Regie Anna Marboe