Wahl: Bekennende Fans der Vorhersehbarkeit trifft man ja eher selten!
Park: Abgesehen davon, dass es sehr schwierig geworden ist, überhaupt überrascht zu werden, würde ich natürlich immer sagen: Klar mag ich alles, was neu ist, total gerne und bin interessiert daran. Aber diese Idee von der absoluten Originalität als Anspruch an das Unterhaltungsgenre oder auch an die Kunst an sich zu stellen, finde ich ganz schön hoch gegriffen. Für mich ist es dafür total erleichternd, in der Vorhersehbarkeit Sachen zu finden, die irgendwie neu sind oder aufregend oder irritierend.
Wahl: "Die Zeit besteht aus den Jahren 1583 und 1995 und dem Monat August", heißt es in der ersten Regieanweisung, aber auch als Zuschauerin des Jahres 2022 hat man Déjà-Vu-Erlebnisse in Ihrer Highschool-Oper. Blicken wir hier auf einen Mikrokosmos der Gesellschaft?
Park: Voll! Es ist eine hermetische Welt mit verschiedenen Gruppierungen. Da gibt's die Sportler, die Bullys, die Nerds, die mean girls, die Goths und so weiter, und die grenzen sich über Oberflächlichkeiten voreinander ab: wie sie aussehen, wie sie sich kleiden. Das war eigentlich die Grundidee: Dass das ein Mikrokosmos einer Welt ist, in der der Wert von Meinungen extrem stark geworden ist, und zwar nicht nur auf der rechten Seite, sondern auch in unserer Bubble. Man grenzt sich anhand von Meinungen ab – und zwar von sehr oberflächlichen Meinungen. Das fanden wir eine interessante Übersetzung: Es gelten wieder dieselben Oberflächlichkeiten wie in der Highschool.
Wahl: Sie stoßen sich generell oft von Format-, Text- und Filmvorlagen ab, gern auch in äußerst origineller Kombination: Am Hamburger Schauspielhaus haben Sie diese Saison zum Beispiel Schillers „Räuber“ mit Steven Soderberghs Heist-Movie "Ocean's Eleven" zusammengedacht.
Park: Wenn man diese Vorlagen ernst nimmt und bedient, ist man gewissen Regeln unterworfen, und das finde ich prinzipiell gut, weil man so einen Rahmen hat. Außerdem zeichnen sich all diese Genres dadurch aus, dass sie unterhalten. Und Unterhaltung finde ich extrem wichtig auf einer Bühne; ich glaube, nur über die Unterhaltung kann man mit dem Publikum kommunizieren, weil das eine Form von Sprache ist, die von vielen gesprochen wird. Aber vor allem lieb' ich's einfach.