Pioniere in Ingolstadt
Ingolstadt, 1926. Der Pionier ist im Land! Für einen Brückenbau entsandt, wird die Gruppe Soldaten als aufregende Abwechslung im wohlgeordneten kleinstädtischen Alltag empfangen. Die stellungslose Alma macht sich umgehend mit den fremden Pionieren und Feldwebeln bekannt. Dienstmädchen Berta will es ihr gleichtun. Ihr Auserwählter Karl, der regelmäßig von seinen militärischen Vorgesetzten schikaniert wird, warnt: Wer ihn liebt, muss leiden. Trotzdem sucht Berta bei ihm die Liebe, während der junge Fabian mit seinen Avancen ihr gegenüber scheitert. Der Rat seines Umfelds lautet: In der Liebe muss ein Mann kalt sein. Das Drucksystem, das die Männer fest im Griff hält, entlädt sich schmerzhaft in jeder ihrer Begegnungen, reißt unüberbrückbare Kluften im Miteinander.
"Pioniere in Ingolstadt" zählt zu den bekanntesten Werken der Autorin Marieluise Fleißer. Mit pointierter Sprache zeichnet sie unvergleichlich prägnante Bilder darüber, wie gesellschaftliche Ordnungen in den intimsten und privaten Raum hineinwirken. Lucia Bihler, zuletzt mit "The Lobster" am Münchner Volkstheater, nimmt Fleißers scharfe Beobachtungen auf und legt – hundert Jahre später – die fortwirkenden Muster von Gewalt, Männlichkeit und Misogynie frei. Aus diesem Kreislauf der Demütigungen blitzen die Träume junger Menschen in einer zunehmend militarisierten Welt hervor.
Besetzung
"Kluges Kopftheater mit Schauder entsteht. Denn Bihler will nicht von einem ehemaligen Frauenbild erzählen, sondern von einem rückwärtsgewandten, das nur allzu gerne wieder hervorgekramt wird. [...] In dieser gewaltsam hierarchischen Welt werden [Frauen] immer verlieren, diesen Schrecken hat Lucia Bihler perfekt ästhetisiert." - Süddeutsche Zeitung
"Mit wenig Worten und viel Körperlichkeit erzählen die durchweg starken Schauspieler*innen eine Geschichte, die 100 Jahre alt ist und doch in vieler Hinsicht zeitlos. In einer präzisen Choreografie der Grenzüberschreitungen macht Bihler die Mechanismen der Macht und Ohnmacht sichtbar und das, was sie für die einzelnen bedeuten." - Theater der Zeit
"Haltlosigkeit ist das dominierende Gefühl in dieser Inszenierung. Mit der gelben Rampe, die im Laufe des Abends zunehmend in Schräglage gerät, hat Jessica Rockstroh ein minimalistisches, effektives Bühnenbild geschaffen, das die Figuren ins Rutschen bringt." - Abendzeitung
"Wie diese wundertraurige, verzweiflungsinnige Beziehung [zwischen Berta und Karl] gestaltet ist, wird zum Meisterstück von Regisseurin Bihler und dem Paar Nagel und Gutmann. Sie überzeugt bis ins Innerste." - Münchner Merkur
Hinweise zur Inszenierung
- Darstellung von körperlicher und sexualisierter Gewalt
- Flash Warnung: Zwischen den Szenen wird der Zuschauerraum blitzlichtartig ausgeleuchtet
- Auf der Bühne kommt es zum Einsatz von Zigaretten und Kräuterzigaretten