Wie waren die Reaktionen auf diese kranke Bauchrednershow bisher?
Die Reaktionen sind sehr positiv. Das Publikum erkennt einerseits etwas Vertrautes in der Art, wie sich Bauchredner und Puppe zueinander verhalten. Andererseits bekommt es Einblicke in eine ihm unbekannte Lebensrealität mit einer chronischen Krankheit. Dieses Wissen wird nicht als etwas Mitleid-Erregendes auf die Bühne gestellt, sondern immer über die Puppe als Drittes gespielt. Das eröffnet nochmal einen anderen Interpretationsraum: Was ist daran gelebt, was wird vielleicht überspitzt? Diese Grenzen von eigener Erfahrung und Autofiktion werden stark mobilisiert.
Was war der Impetus, das Stück genau zu dem Zeitpunkt zu machen, zu dem du es gemacht hast?
Meine Erstdiagnose ist über zehn Jahre her, und ich wollte die Krankheit schon immer zum Thema machen, habe aber nie die passende Form gefunden. Bis ich eben zufällig auf das Bauchreden gekommen bin. Das Stück bekam eine neue Dringlichkeit, als wir durch die Corona-Pandemie plötzlich mit einer unbekannten, unsichtbaren Krankheit konfrontiert waren. Die Colitis Ulcerosa ist zwar nicht unbekannt, aber eine unheilbare Krankheit, die in vielen Aspekten unsichtbar verläuft, zumindest nach außen hin.