Text: Tobias Obermeier
Es dürfte wohl eine der eindrucksvollsten und anrührendsten Inszenierungen auf dem diesjährigen Radikal Jung-Festival gewesen sein. Und zugleich eine, die wie keine andere dafür sorgte, dass sich sowohl das Publikum als auch die Darsteller:innen auf der Bühne in einem geschützten Raum wiederfanden. Das Theater als umfänglicher Safe Space sozusagen. An der Garderobe und in einer kurzen Ansage wurden die Gäste auf Trigger-Warnungen hingewiesen, bevor es zu „The Dan Daw Show“ in die Bühne 2 des Münchner Volkstheaters ging. Von Darstellungen von Demütigung, dominantem Verhalten, Kink-Erfahrungen und expliziter Sexualität war die Rede. Vorab gab es zudem bereits eine Bühnenbegehung für Menschen mit besonderen Zugangsanforderungen.
Was dann schließlich auf der Bühne passierte, war jedoch alles andere als verstörend oder beunruhigend. Dan Daw, gefeierter Choreograph und Performer aus Großbritannien, ließ sich von seinem Bühnenpartner Christoher Owen in einem intimen und zärtlichen Tanz dominieren. Warum er das macht, erklärte er zu Beginn in einer wohltuend sanften und ironischen Art. Er brauche diese Form von Beherrschung, denn die Gesellschaft ficke Behinderte wie ihn. Wenn er nun zeigt, wie er geliebt werden will, übt er seine eigene Macht aus.