Was macht Solanas Stimme so besonders und interessant?
Lieselot: Ich glaube, Solanas hat einen sehr rabiaten Sinn für Humor. Wir haben viel gelacht, als wir das Stück inszeniert haben, aber manchmal wurde es auch sehr hart und uns blieb das Lachen im Hals stecken, weil es oft einfach nicht lustig ist. Wenn man in das Leben von Valerie Solanas eintaucht, ist es auch nicht wirklich zum Lachen. Sie selbst war zwar lustig, aber ihr Leben war eigentlich ziemlich tragisch.
Nona: Vielleicht sind ihre Texte auch so interessant, weil sie eine weibliche Autorin ist, die Probleme mit Geschlechtern thematisiert, die noch immer existieren. Zum Beispiel wie das Männliche und das Weibliche in Arbeitsstrukturen wahrgenommen und eingeordnet werden, auch im Theater oder im Humor. Ich denke, dass es auch im Feld Regie immer noch nicht wahnsinnig viele Regisseurinnen gibt. Das Gleiche gilt für Chefinnen. Da berühren wir uns gegenseitig, weil wir das, was Solanas zu sagen versucht, in unserem Alltag auch sehen und fühlen.
Lieselot: Ich glaube, sie hatte als Person etwas sehr Radikales an sich. Sie war eine Stimme, die wir heute ein wenig vermissen: diese krassen Aussagen, die sie zu machen wagte, und diese Brutalität. Gleichzeitig war sie eine sehr zweideutige Person, in vielerlei Hinsicht wie ein wandelndes Paradoxon. Sie war eine Sexarbeiterin, aber sie hatte auch ein Psychologiestudium absolviert – all diese Ambiguitäten machten sie zu dem, was sie war.