Kim bleibt natürlich nicht Kind. Kim wird erwachsen, probiert sich als schwuler Mann aus. Fickt sich durch fast die ganze homosexuelle Bevölkerung in Reichweite, dokumentiert die Eroberungen auf der eigenen Haut. Kalkuliert die eigene Fuckability mit abstrusen Formeln, baut sich Muskeln auf.
Nein! Das passt nicht, das passt nicht, das passt nicht! Das ist nicht Kim. Kim ist die Mutter, die Kim mit einem Heilzauber auftauen wollte aus ihrer tiefblauen Eisköniginnen-Maske. Kim ist der abwesende Vater, der Kim eigentlich nur seine Gesichtszüge dagelassen hat; ist die Großmutter mit ihren groben Händen. Ist Kims Körper überhaupt Kims? Gehört er nicht viel eher all denen, die vorher kamen? Geht er verloren, wenn einer der anderen Körper stirbt? Wird er zum Störbild, zum Hintergrundrauschen, wie es über Großmutters Haut flimmert, als die Demenz von ihr Besitz ergreift?
Kim kennt nur einen Ausweg, den eigenen Körper greifbar zu machen: Sprache. Kim konnte so lange nicht über sich selbst sprechen, doch endlich ist die Zeit für eine neue Magie gekommen. Wenn Kim über den eigenen Körper spricht, diesen nicht-binären, nonkonformen Körper, dann erschafft diese Sprache gleichzeitig endlich Kims Körper. "Ich glaube, dass alles, was wir anschauen, auch zurückschaut." – Kim wird sichtbar wie Kim sein will, in einer Welt, die Kim innig liebt, trotz all der negativen Scheiße, die darin existiert.