Text: Shirin Sojitrawalla
Einmal an diesem Abend ist es so still, dass man die berühmte Stecknadel fallen hören könnte. Gespenstisch still. Dazu rollt Mutter Emine, gespielt von der Schauspielerin Almut Henkel, einen kleinen Teppich auf der Bühne aus und beginnt nach allen Regeln ihrer Religion zu beten. Ein geradezu heiliger Theatermoment. Das Gespenstische daran fügt sich gut zum Titel "Dschinns", Geisterwesen also, die in unseren Erinnerungen ihr Unwesen treiben und dunkle Familiengeheimnisse ausleuchten.
Die Regisseurin Selen Kara fand genau diese Gebetsszene zuerst ein bisschen "tricky" und hat sich gefragt, wie sie das mit einer nicht Türkisch sprechenden Schauspielerin realistisch inszenieren solle. Zum Glück kannte Kara eine Frau vom Reinigungsdienst des Mannheimer Theaters, eine gläubige Muslima mit Kopftuch, und fragte sie, ob sie mit der Schauspielerin das Gebet mal durchgehen könne. Gesagt, getan, die Frau hat Almut Henkel quasi Nachhilfeunterricht gegeben, sie eingewiesen. Zweimal habe man sich getroffen, bis alles saß.