Diese familiären Konflikte prallen nun in der Wohnung des Vaters aufeinander. An einem Ort, an dem alle sein müssen, aber niemand sein will. Im Bühnenbild von Lydia Merkel liegt eine starke symbolische Kraft: Es zeigt ein spärlich möbliertes, fragil wirkendes Haus, auf das ein Dach hinunterfährt. Für Selen Kara ist dieses Haus "nicht nur das, wofür der Vater die ganze Zeit gearbeitet hat, sondern ein Konstrukt. So wie die Familie auch ein Konstrukt ist, das man versucht aufrechtzuerhalten." Die beweglichen Elemente des Hauses spiegeln wider, dass dieses Gebilde jederzeit wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen kann.
Aus einem dichten Roman macht Kara einen ebenso dichten Theaterabend: Es geht um Konflikte zwischen Kulturen und Generationen, um restriktive Traditionen, Heimatlosigkeit, Alltagsrassismus, Homophobie und rechte Gewalt. Die Migrationserfahrung und das politische Klima der 1990er Jahre prägen die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder und ihre Beziehungen. Für Selen Kara ist diese gesellschaftspolitische Tragweite entscheidend: "'Dschinns' ist sozusagen Aufklärungsarbeit über einen Teil deutscher Geschichte. Das sind keine Nischenthemen für eine kurdisch- oder türkischstämmige Zielgruppe: Hier erhält eine Generation rückblickend eine Stimme."