Eine Faltwand trennt die Jungen von den Alten und drängt diese immer weiter an die Rampe, den Abgrund, während sich der Bereich für die Enkelgeneration zunehmend weitet. Sie spielen eine grausame Variation von "Reise nach Jerusalem": Wer von den Senioren keinen Stuhlplatz ergattert, muss seine Habseligkeiten abgeben, wird aus der Szene geschmissen und kommt eingeäschert in einer Urne zurück. Widerstandslos treten die Alten allerdings nicht ab. "Ihre Stimmen kommen ja schon halb aus dem Grab. Ich habe mir immer vorgestellt, da stehe die junge Generation mit Grabdeckeln und will sie auf die Alten senken, die sich aber wehren, indem sie immer noch was und noch was sagen und sich dabei um Kopf und Kragen schwadronieren auf ihrer eigenen Beerdigungsfeier – wie Scheherazade, die immer weiter redet, um nicht getötet zu werden", erklärt Süßkow.
Den Jüngeren haben auf der Bühne die alten weißen Männer, hat die Vergangenheit nichts mehr zu sagen, sie werfen höhnisch Stichworte ein und arbeiten das "Großvatertum" nach und nach einfach weg. "Handke setzt sich im Text mit seinem Großvater auseinander, ich mich aus der Perspektive seiner Enkelgeneration mit ihm. Und das ist immer eine Mischung aus Nostalgisierung und Abrechnung. Was wäre, wenn Handkes Generation vor 50 Jahren statt die RAF ein eigenständiges Tribunal gegründet hätte, um Väter und Großväter für den Faschismus, Kapitalismus, Umgang mit Ressourcenknappheit, die Klimakrise und so weiter zu bestrafen? Den Generationenkonflikt verstehe ich als Werte- und Ankreidekonflikt, da fragt die Enkelgeneration ihre Großelterngeneration: Was habt ihr mit euch machen lassen oder selbst gemacht? Warum habt ihr der Welt den Weg geebnet, in der ich jetzt leben muss?"