"Woyzeck" ist natürlich – das weiß man aus dem Schulunterricht – Fragment geblieben und lässt also ohnehin maximalen Freiraum für eine Bühnenumsetzung. Die Reclam-Fassung, die durch unser aller Hände ging, gibt einen Vorschlag für eine sinnfällige Ordnung der Bauteile, die den Konflikt um den Frauenmörder Franz Woyzeck nachvollziehbar macht. Sie zeigt den Soldaten Woyzeck als Knecht der zeitgenössischen Instanzen: unter der Knute des Militärs, als Opfer von Menschenversuchen, die der Doktor mit einer schädlichen Erbsen-Diät an ihm unternimmt. Woyzeck, einfach gestrickt, lässt alles mit sich geschehen. Er braucht den kargen Lohn, denn er muss fürs uneheliche Kind und seine Partnerin Marie zahlen. Sein Körper mergelt aus, der Geist zerrüttet. Als Marie ihm untreu wird, bringt Woyzeck sie schließlich um. "Ein guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord", konstatiert der Polizist, der die Leiche findet.