2018 entstand Ihre Videoarbeit "Radical Hope". Was veränderte sich?
Damals wuchs in mir der Wunsch, den Schutzraum zu verlassen. Dadurch wurde "Radical Hope" eine Vorstudie zur Live-Performance: 30 Performer:innen agierten in einem geschlossenen White Cube. Die Kameraperson war selbst als Performer:in dabei und filmte währenddessen. Es gab also kein Live-Publikum, die Darsteller:innen waren ganz für sich in diesem Kokon. Jenseits dieses Raums waren aber viele Leute involviert, für Maskenbild und Kostüm, Technik und Organisation. In diesem Sinne gab es doch eine kontinuierliche Kommunikation zwischen dem Innen und dem Außen. Die Atmosphäre und die Energie zwischen diesen beiden Räumen waren so besonders, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, wir brauchen ein Publikum.
Was genau war denn das Besondere?
In der Arbeit sollte es um Wut, Groll und Schrecken, um Traurigkeit, Verlangen und Glück gehen. Diese sechs Gefühle sind deshalb so spannend, weil sie oft entweder aus Angst vor Chaos oder aus radikaler Zukunftshoffnung entstehen. Das war alles, was die Performer:innen vorher wussten. Besonders war, wie diese Gefühle dann während der Aufnahmen in der Gruppe entstanden und welche Intensität sie bekamen. Die Performer:innen bewegten sich im Kreis durch den Raum und fingen an, sich gegenseitig die Kleider vom Leib zu reißen. Kräftig, aber nicht gewalttätig. Es war so, als würde man aktiv etwas abreißen und loslassen.