Wie fühlt man sich in einen Menschen ein, der – wenn auch nur auf Zeit – vom Erdboden verschwinden will?
Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich hatte nie das Gefühl, Tagebuch schreiben zu können. Schon als Kind befürchtete ich, dass jemand meine Einträge lesen könnte. Denn unser eigenes Melodrama, gepaart mit der Art und Weise, wie wichtig wir uns nehmen, kann extrem lächerlich wirken. Wenn ich doch mal über meine Gefühle schreibe und das später lese, kann ich nicht fassen, wie absurd alles klingt. Als Schriftstellerin gefällt mir aber, mich genau davon inspirieren zu lassen. Also dahin zu gucken, wo vieles in uns so hässlich ist.
Haben Sie je Mitleid mit Ihrer Romanfigur?
Nein, niemals. Aber ich muss Mitgefühl haben.
Am Ende des Romans kommt die Protagonistin zu dem Schluss: „Schmerz ist nicht das Einzige, an dem man wachsen kann.“ Ist das Ihre Botschaft an all diejenigen, die davon überzeugt sind, dass man aus jeder noch so miesen Erfahrung gestärkt hervorgeht?
No pain, no gain: Das gilt für mein gesamtes Leben, für meine Arbeit, die Beziehung zu meinem Körper und zu anderen, selbst für meine Hobbys. Aber ich möchte nicht, dass dies die einzige Ausgangslage für inneres Wachstum ist. Vielleicht ist Liebe oder Glaube ja viel besser! Deswegen finde ich diesen Satz ehrlicher und menschlicher als alles, was man sonst aus der so populären Selbsthilfekultur hört, die gerade hier in Kalifornien so unerschütterlich wirkt.