Interview: Julia Rothhaas
"Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt gilt als Dauerbrenner auf deutschen Bühnen. Was hat dich an diesem Stück gereizt?
Sapir Heller: Viele kennen diese Geschichte noch aus der Schule, deswegen wollte ich es jetzt mal etwas weiterdrehen. Anstelle von Claire Zachanassian, der alten Dame von Dürrenmatt, findet unsere Version zwei Generationen später statt. Bei uns kommt ihre Enkelin nach Güllen, der Kleinstadt, in der ihre Oma groß geworden ist und die ihr nur Unglück und Ungerechtigkeit beschert hat. Die Enkelin hat all das zwar nicht direkt erlebt, aber die alten Traumata kleben trotzdem an ihr. In Güllen trifft sie dann auf die Stadtbewohner, die ihre Geschichte beziehungsweise die ihrer Vorfahren wiederum nie aufgearbeitet haben.
Wie erlebt die Enkelin Güllen?
Eigentlich kommt sie nur in die Heimatstadt ihrer Großmutter, um als Sängerin aufzutreten. Dabei erfährt sie nach und nach Dinge, die sie nicht wusste, auch, weil ihre Oma nicht alles erzählt hat. Doch jetzt möchte sie sich endlich damit auseinandersetzen, sie stößt allerdings überall auf taube Ohren und auf ein großes Schweigen. Also testet sie aus, ob die heutigen Bewohner der Stadt wirklich so anders sind als sie behaupten.