"Kein Buch, auch wenn es noch so traurig ist, kann so traurig sein wie ein Leben", sagt er zu Beginn des Stücks. Als sich die schwarze Wand hebt, taucht Claus T. ein in seine Vergangenheit. Das insgesamt fünfköpfige Ensemble spielt in wechselnden Rollen nach, wie die Zwillingsbrüder Claus und Lucas während des Krieges zu ihrer Großmutter aufs Land geschickt werden. Wobei "nachspielen" falsch verstanden werden kann: Die Genialität des Abends liegt in der Nüchternheit, mit der die Schauspieler*innen die erlebte Grausamkeit nacherzählen. Als die Mutter der Brüder vor den Augen der Kinder stirbt, können diese ihren Leichnam mit der Routine und Distanz eines Gerichtsmediziners beschreiben: "Die Eingeweide quellen ihr aus dem Bauch. Der Kopf hängt in dem Loch, das die Granate gerissen hat." Auf diese Weise wirken innere und äußere Verletzungen viel stärker, als wenn sie mit Theaterblut und Tränen szenisch nachgestellt würden. Die Protagonisten sind Kinder, für die Krieg und Gewalt zum Alltag zählen: "Man muss töten können, wenn es nötig ist", wiederholen sie immer wieder mantraartig, alle Welt würde das tun.