Rieke Süßkow hat sich für so ziemlich das genaue Gegenteil dieser Kleinstlösung entschieden. Und die Inszenierungsidee, die sie stattdessen hatte, ist so naheliegend wie genial: Die Regisseurin – 1990 in Berlin geboren und somit noch nicht einmal halb so alt wie der Autor respektive sein Erzähler-Ich – bezieht das leitmotivische "Großvatertum" des Textes kurzerhand auf ihre eigene Generation. Sie inszeniert das "Zwiegespräch" also nicht als jenen mehrstimmigen Monolog eines alten Mannes über sich und seine Vorfahren, als den man es bei der stillen Lektüre auffasst. Sondern sie macht daraus einen Dialog – zwischen den Eightysomethings der Handke-Generation und deren Enkeltöchtern, mithin eben Süßkows eigener Alterskohorte. "Das war tatsächlich das erste, was mich beim Lesen des Stückes ansprang: dieses Gefühl, da schreibt – auch – ein alter Mann, der Angst hat vor den nachkommenden Generationen", erzählt Rieke Süßkow, die sich in Vorbereitung ihrer Uraufführung intensiv mit der Biografie des Autors auseinandergesetzt hat, im Gespräch. Gereizt habe sie vor allem Handkes doppelte Perspektive: "Er ist ja selbst jemand, der als junger Mensch die Gesellschaft angeklagt und dessen Generation eine RAF hervorgebracht hat. Diese Ambivalenz, einerseits – auch im Text – die Schuld der eigenen Großväter zu befragen und andererseits selbst aus der Großvater-Perspektive auf die Welt zu schauen, hat mich interessiert", sagt die Regisseurin. "Wir stecken ja jetzt wieder in einer Situation, in der eine Generation konkret angeklagt wird – und man sich fragt, ob es überhaupt möglich ist, dieser Schuld zu entgehen. Oder ob wir, also meine Generation, später auch von unseren Enkelkindern angeklagt werden."