Theater unter erschwerten Bedingungen

Die momentane Corona-Welle stellt uns auf die Probe. Fällt ein*e Schauspieler*in aus, muss für Ersatz gesorgt werden. Da kommt es auch mal vor, dass Intendant Christian Stückl einspringt und auf der Bühne steht.

Autor: Tobias Obermeier

Die Tage vor der Premiere von „Animal Farm“ waren eine Zitterpartie. Kann die Inszenierung in der Regie von Sapir Heller ihre Uraufführung feiern oder muss sie krankheitsbedingt abgesagt werden? Der Termin am 12. Februar fiel ausgerechnet in den Höhepunkt der Omikronwelle hinein. "Die Nerven lagen blank", erinnert sich Katharina Osterhammer. "Wir bekamen jede Woche eine Nachricht mit einem weiteren positiven Coronafall. Insgesamt hatten wir bei der Produktion sieben Fälle."

Wir sind täglich in Habachtstellung.
Disponentin Katharina Osterhammer
Schlussapplaus zur Premiere von Animal Farm.

"Animal Farm" hatte dennoch Glück im Unglück. Trotz der vielen Ausfälle, die das gesamte Team von Stab bis Ensemble betrafen, konnte die Premiere stattfinden. Ein Schauspieler kam kurz vor der Premiere wieder zurück aus der Isolation, ein anderer wurde wenige Tage davor krank, sodass er bei den Endproben nicht mehr dabei sein konnte. Ein Kollege sprang jedoch kurzfristig für ihn ein und die Premiere war gerettet.

Wenn eine Person ausfällt, dann bricht erstmal das Kartenhaus zusammen.

 

Das Münchner Volkstheater ist eigentlich gut durch die Pandemie gekommen. Bis Dezember. Dann kam Omikron und die Krankheitsfälle häuften sich. "Wenn eine Person ausfällt, bricht erstmal das Kartenhaus zusammen. Es hängt dann immer von den Inszenierungen ab, ob es überhaupt möglich ist, eine Rolle umzubesetzen. Wenn es komplexe Stücke und große Rollen sind, ist es eigentlich nicht möglich. Dann versuchen wir eine Ersatzvorstellung zu disponieren", so Osterhammer. Doch selbst bei Ersatzvorstellungen gab es positive Fälle.

 

Muss jemand einspringen, bedeutet das einen enormen organisatorischen Aufwand für alle Beteiligten. In Rücksprache mit Intendant Christian Stückl, der Dramaturgie und der Regie wird überlegt, wer gerade nicht probt, keine Vorstellung auf einer der anderen Bühnen am gleichen Abend hat und somit einspringen könnte. Ist die Entscheidung gefallen, muss umdisponiert werden: "Dann wird auf allen Leitungen telefoniert. Stehen die Schauspielkolleg*innen für eine kurzfristige Umbesetzungsprobe zur Verfügung. Wer leitet die Probe? Hat die Souffleuse Zeit? Kann die Probe von den technischen Abteilungen betreut werden? Wann ist der Bühnenaufbau für die Probe fertig? Dann muss geprüft werden, ob der- oder diejenige überhaupt in das vorhergesehene Kostüm passt. Was ist mit der Maske? Das sind alles Sachen, die noch dazukommen."

Intendant Christian Stückl sprang nach kurzer Bedenkzeit ein.

Christian Stückl in der Rolle des heiligen Petrus auf der Bühne zu "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben"

Und kaum war die Premiere von "Animal Farm" vorbei, stand schon die Frage nach der nächsten Umbesetzung im Raum. Bei zwei Vorstellungen von "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" fiel Peter Mitterrutzner aus, der den heiligen Petrus spielt. Umbesetzen oder eine Ersatzvorstellung disponieren? Die Lösung war schnell gefunden. Intendant Christian Stückl sprang nach kurzer Bedenkzeit ein. "Er hat schon einmal den Petrus krankheitsbedingt gespielt. Er ist auch der Regisseur der Inszenierung und dann lag die Idee nahe, dass er es macht. Und zum Glück hatten alle Schauspieler*innen, die in den Szenen mit Petrus spielen, kurzfristig für eine Probe Zeit.", so Osterhammer.

So entstehen manchmal auch besondere Abende. Denn wann sieht man schon den Intendanten auf der Bühne spielen?