Gilt das auch für die Innenräume? Sollten die sich auch benehmen?
Innen ist anders. Wenn Sie nach Hause kommen, werfen Sie manchmal die Klamotten von sich und wenn Besuch kommt, stopfen Sie schnell die Schuhe unters Sofa. Daran merkt man, dass der Mensch Privates und Öffentliches strikt getrennt sehen will. Im Moment begleitet uns alle der Terror des Öffentlichen. Blickt man ins Internet, weiß man nicht mehr genau, wo die Grenze zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen verläuft.
Bei Privathäusern markiert diese Grenze die Tür.
Ein öffentliches Gebäude unterscheidet sich natürlich vom privaten Gebäude – es ist ja auch innen öffentlich. Das Idealbild ist hier, dass sich der öffentliche Raum in das Gebäude hineinzieht.
Beim Volkstheater wird ein großer Bogen die Menschen hineinziehen, ein richtiges Portal.
Ja, aber das könnte auch ein Tunnelmund sein. Haha, jetzt lästere ich einfach mal über die eigene Arbeit. Aber im Ernst: Die Tumblinger Straße ist ja dicht und eng und auch nicht nur von Schönheiten geprägt. Dann steht da so eine Stele, das ist doch ganz schön. Im alten Rom hat man Torbögen gemacht, ohne dass ein Haus dahinter war.
Denken Sie an die Ewigkeit, wenn Sie bauen?
Nein. An die Ewigkeit nicht, nichts ist ewig, aber wir denken an die Dauerhaftigkeit.
Wie lange wird das Volkstheater stehen bleiben?
Das weiß ich nicht. Aber wir müssen als Gesellschaft wieder dahin kommen, dass unsere Häuser mehr als hundert Jahre bestehen. Ob da später noch ein Theater drin sein wird oder ob Boxkämpfe aufgeführt werden, ist nicht wesentlich. Wichtig ist, dass wir unsere Häuser nicht nach 20, 30 oder 50 Jahren wegwerfen. Das kann sich unsere Gesellschaft nicht mehr leisten. Es dient auch nicht der kulturellen Entwicklung. Die braucht Konstanz.
Fühlt sich das neue Volkstheater für Sie als Architekt wie eine Premiere an oder wie eine Uraufführung?
Oh, schwierige Frage. Das Volkstheater selbst ist natürlich eine Uraufführung. Und der Neubau eines Theaters ist für mich eine Premiere. Unser Büro hat ja das Staatstheater Darmstadt saniert und wir haben dabei viel gelernt, weil es lange gedauert hat und eigentlich immer noch andauert. Den Neubau des Volkstheaters empfinde ich als wunderbare Aufgabe. Nachdem die Religion nicht mehr in der Lage ist, Kirchen zu bauen, gibt es nur noch zwei schöne Bauaufgaben: die Theater und die Museen.
Sind nicht die Hochhäuser der Banken die Kirchen von heute?
Das sagen viele. Es stimmt aber nicht. Es sind die Stadtzerstörer von heute.