Claudia, du inszenierst den "Selbstmörder". Das hört sich nicht so lustig an.
Claudia Bossard: Hoffentlich wird es das aber. Das Stück von Nikolai Erdman handelt von einem Mann, der aus Versehen oder aus beleidigter Not heraus verlautbart, dass er sich das Leben nehmen wird. Daraufhin reagiert eine Gemeinschaft und tut alles dafür, dass sich dieser Mensch bitte nicht das Leben nimmt – und wenn: dann ganz für sich allein. Dadurch entsteht eine irre Dynamik, weil der Mann Gefallen an der Aufmerksamkeit an seiner Person findet, und daher beginnt, seine eigene Beerdigung oder sein Ableben zu inszenieren. Ich fand das Thema von Anfang an interessant, weil es so philosophisch ist: Warum tun wir uns so schwer damit, zu akzeptieren, dass ein Mensch selbst über sein Leben verfügt? Was macht das mit den Angehörigen und was hat ein Suizid mit Narzissmus zu tun? Wie geht man verloren, wie wird man vergessen? Schon als Kind habe ich mit meinem Bruder darüber nachgedacht, welche Musik wir auf unserer eigenen Beerdigung spielen würden.
Und?
Claudia Bossard: Mein Bruder hatte sich für eine zwölfminütige, völlig übertriebene Version eines Hollywood-Klassikers entschieden, ich kann da keine Antwort drauf geben. Das ist wahrscheinlich eine ewige Suche, so wie mit dem Lieblingslied. Das Fantasieren der eigenen Beerdigung ist aber zumindest hier in Österreich ein gängiges Thema, auch unter Erwachsenen.
Was ist nicht lustig, worüber darf man nicht lachen?
Claudia Bossard: Problematisch ist es, wenn man etwas dekonstruieren will, es dadurch aber mystifiziert. Das kann einem sehr schnell passieren, zum Beispiel wenn man eine politische Pointe macht, dem Täter aber im Grunde den Ball zuspielt. Das Lachen muss man steuern, sonst kann es gefährlich werden und dient unter Umständen dem, was man nicht will.
Siehst du das auch so, Philipp?
Philipp Arnold: Wenn ich Serien aus den 90er Jahren gucke, denke ich schon manchmal: Wahnsinn, wie schlecht Humor altern kann. Das geht heute teilweise gar nicht mehr. Man darf nicht mehr ausgrenzen und andere vor den Bus werfen, um selbst einen lustigen Abend zu haben. Trotzdem darf man den Humor nicht verlieren.
Ein schmaler Grat?
Philipp Arnold: Die Frage ist immer, worauf der Humor am Ende abzielt. Witze über eine bestimmte Gruppe oder jemanden vorführen? Würde ich nie machen, das ist auch überhaupt nicht mein Humor.
Könnt ihr zum Abschluss noch einen Witz erzählen?
Philipp Arnold: Nein, das ist wie mit den Lieblingsliedern.
Claudia Bossard: Ich habe einen! Was spielt ein suizidaler Schauspieler? Keine Rolle mehr.