Im Zentrum der Oper steht Abrefi. Mit nur sieben Jahren flieht sie gemeinsam mit ihrer Familie vor politischer Verfolgung in Ghana nach Deutschland. Abrefi wird dabei nicht von einer einzelnen Person verkörpert; sie hat viele Stimmen. Fünf Darsteller*innen und der Choir Of The Uncivilized Voices geben ihr eine kollektive Identität – sie stehen stellvertretend für alle Kinder auf der Flucht.
Die Inszenierung zeichnet ungeschönte Erinnerungsbilder, die mit der Ankunft in Hamburg beginnen, als das Mädchen kurzzeitig ihren Vater in der U-Bahn verliert – "aussteigen bei Kellig... something". Auch der darauffolgende Alltag ist von Schmerz geprägt: In der Schule wird sie von Mitschülern und Lehrkräften gemobbt, sie hört Sätze wie "schwarze Mädchen sind nicht hübsch". Hinzu kommt die zermürbende Bürokratie beim Warten auf die nächste Duldung, bei der man oft stundenlang ansteht, nur um festzustellen: "Um 13.40 Uhr sind wir dran." Überschattet wird diese Suche nach Heimat von einer ständigen Bedrohung durch die Angst vor der Polizei und sexueller Belästigung in der Asylunterkunft, "das ist kein sicherer Ort für Mädchen und Jungs", resümiert eine Performerin. Doch erzählen sie Momentblitze kultureller Selbstbehauptung: Queen Latifah dröhnt durch das Zimmer von DJ Fof im Asylheim, und im improvisierten Friseursalon werden Braids geflochten. Es ist die Suche eines Kindes nach Heimat.