In der Beschreibung heißt es: "'Unruhe' lädt das Publikum zu einem rituellen Happening ein, irgendwo zwischen einem Konzert, einem Theaterstück und einer Feier". – Was erwartet uns?
"Unruhe" ist ein echtes Experiment für das Publikum und muss eher erlebt als erklärt werden. Aber ich kann sagen, dass ich es als ein kollektives Ritual kreiert habe. Es gibt mehrere energetische Schritte, die wir gemeinsam durchlaufen. Ich begeistere mich sehr für solche rituellen Praktiken, von denen die meisten Besessenheitsrituale sind. Daher mussten die Darsteller*innen bei den Proben an ihre Grenzen – und darüber hinaus – gehen. Wenn man mit veränderten Bewusstseinszuständen arbeitet, muss man damit umgehen – und daher muss immer eine Person da sein, die alles im Blick behält, damit sich die Darsteller*innen sicher fühlen und sich in eine echte und tiefe Verkörperung, in "Unruhe", begeben können. Das war für mich als Regisseurin herausfordernd, aber auch faszinierend.
Wie hast du diese Probenzeit denn erlebt?
Drei Jahre lang haben wir als Kollektiv geprobt, das war wirklich ein soziales Experiment – insbesondere, weil so viele Menschen, die ich liebe, daran beteiligt sind. Es ist herausfordernd, mit seinen Freund*innen zu arbeiten, aber auch sehr kraftvoll. Wir haben erforscht, wie man in der Repräsentation lebendig bleiben kann und nicht nur repräsentiert. "Unruhe" ist deshalb mehr als eine Theatershow oder Performance. Ich betrachte die Interpret*innen eher als übermittelnde Körper. Durch sie wird etwas gelebt und ausgedrückt, durch sie werden unbewusst Verbindungen gezogen zwischen Erinnerung, Geschichte, Bedeutung, Poesie und dem politischem Körper.