Lily Kuhlmann legt ihre Inszenierung zwischen Horror und Slapstick an. Zu Beginn tragen zwei maskierte Männlein einen Sarg über das Geländer, reichen ihn durchs Publikum und heben ihn schließlich auf die Bühne. Trotz ihres gruseligen Erscheinungsbilds wirken sie eher wie Mainzelmännchen. Sie machen hier und da lustige Sounds und stolpern tollpatschig und drollig durch die gesamte Inszenierung. Sie sind der alten Dame untergeben. Auch diese trägt einen Horror-Look, bestehend aus einer Strumpfhosenmaske mit verzerrt aufgedrucktem Gesicht. Nur selten nimmt sie sie ab – etwa wenn sie in Erinnerungen schwelgt. In diesen Momenten wird deutlich, dass unter den Stoffschichten, hinter der verzerrten Maske, noch immer das verratene 17-jährige Mädchen steckt, das damals vor Gericht zur "Nutte" gemacht wurde. Trotz des Vermögens, das sie anhäufte, trotz der Welt, die "ihr gehört", bleibt etwas unerfüllt: der Wunsch nach Rache. Rache am patriarchalen System, an der Männerwelt, die sie verraten hat.
Genau dieses System aus Männern entscheidet nun über das Schicksal Alfred Ills. Die Horroratmosphäre des moralischen Dilemmas wird durch schummriges Licht und gespenstische Musik unterstrichen. Tiefe, teils stark verzerrte Bassnoten formen eine düstere Welt, in der es nicht überraschen würde, wenn gleich der Joker durch Gotham City liefe. Es wird geschossen, verfolgt, heimlich durch Rollos auf die Straße gespäht. Auch das Lachen der alten Dame erinnert an das Markenzeichen dieses berühmten Bösewichts.