Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Kreis und quatscht.

Gossip über Gossip

Unsere Blogger*innen feiern den Stammtisch der "Popcörner" im Rahmenprogramm des Festivals.

Text: Elmo Hüller und Leonie Stöckle 

Hot Take: Warum gibt es eigentlich im Theater kein Popcorn, sondern nur im Kino? Und warum wird Gossip immer noch als etwas vermeintlich Unmoralisches oder Dummes abgetan? Ist es nicht eigentlich Zeit, diese hochkulturellen Verhaltensmuster in Frage zu stellen? Genau da kommt die Gruppe "Popcörner" ins Spiel: Bei ihrem Gossip-Stammtisch besprechen sie jede zweite Woche die News aus der Welt der Stars und Sternchen und geben den "gesellschaftlichen Nebengeräuschen" einen Raum. Mit ihrem Format sind sie beim diesjährigen Radikal jung Festival zu Gast – Elmo und Leonie waren dabei. Hier ist der Gossip über den Gossip!

Die Popcörner (c) Gabriela Neeb

Elmo: Okay, spill the tea: wie fandest du den Gossip-Stammtisch der Popcörner? 

Leonie: Hervorragend. Und lecker – es gab tatsächlich Popcorn bei den Popcörnern, schon mal erster Pluspunkt. Und es gab Spiele: Wir haben "Smash or Pass" gespielt mit Charakteren aus den Stücken des Radikal jung Festivals und "Hot or Not" mit verschiedenen Outfits der Celebrities vom Coachella Festival oder der "Der Teufel trägt Prada 2"-Premiere.

Elmo: Ich fand die Atmosphäre spannend: Man saß bequem, alles war voller Kissen und Sessel – wie in einem Wohnzimmer. Das mochte ich sehr. Man hatte sofort dieses gemeinschaftliche Gefühl, wie wenn man sich mit Freund*innen trifft. Leonie Haberland, Silke Müller und Merve Yetis moderieren den Abend zu dritt und machen das wirklich gut. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie eine Instanz sind, die uns sagt, was wir denken müssen. Im Gegenteil: Sie haben Bock, mit uns zu diskutieren und zu quatschen.

Leonie: Das haben sie auch direkt am Anfang klargemacht: Sie schaffen den Raum, aber es geht darum, zu interagieren. Es wurden kurz Regeln gesetzt – nicht lästern. Gossip wird als spielerischer Austausch von Meinungen gesehen. Jede*r darf eine Meinung haben, solange nichts Diskriminierendes gesagt wird.

Elmo: Genau: nicht gemein, sondern meinungsstark. Die Themen, über die wir gesprochen haben, waren sehr unterschiedlich: Es ging um den gestrandeten Wal Timmy oder die Realityserie "Sister Wives", um Coachella, Beyoncé und KI-Sängerinnen mit Millionen von Streams auf Spotify.

Leonie: Es wurde über das gesprochen, was das Publikum an Themen reingegeben hat. Die meisten Sätze fingen an mit "Also ich habe ein Reel gesehen, in dem…". Es war wie ein Gespräch unter Freund*innen. Gleichzeitig fand ich es schön, diese Art von Unterhaltung mit fremden Personen zu führen. Dadurch ist eine schöne Verbundenheit entstanden: Man konnte die Menschen, neben denen man eben noch im Theater gesessen ist, anders kennenlernen. Für mich war es ein extrem passendes Format für das Rahmenprogramm – genau das, was ich nach einem langen Tag gebraucht habe.

Elmo: Schön war auch das Kennenlernen am Anfang, das die Stimmung direkt aufgelockert hat. Zu drei Fragen haben wir uns im Raum auf einer Skala eingeordnet: Schaut man eher Theater oder Trash-TV? Bekommt man seinen Gossip eher aus der Gala oder auf TikTok? Und die wichtigste Frage: Team Edward oder Team Jacob?

Leonie: Allerdings.

Elmo trägt sie am besten: Die Radikal-Yap-Cap (c) Elisabeth Maslik

Elmo: Abschließendes Fazit: Würdest du den Abend nochmal besuchen?

Leonie: Auf jeden Fall. Ich bin für mehr Gossip und Popkultur im Theater! Mir hat dieses Spielerische gefallen, dass man sich einfach den Raum zum Yappen nimmt. Für mich hat das Format voll funktioniert, es steht für den radikal jungen Aspekt dieses Festivals. Gossip wirkt vielleicht zunächst oberflächlich oder irrelevant, aber es ist ein gutes Abbild von dem, was Menschen beschäftigt – abseits der Nachrichten ist es trotzdem ein Spiegel dessen, was als relevant gilt.

Elmo: Ja, voll. Und man kann dieses schöne Phänomen "agree to disagree" tatsächlich mal in die Tat umsetzen: Ich bin Team Jacob, du bist Team Edward – und es ist total okay. Nicht wie bei politischen Themen, wo das oft nicht geht, weil es so tiefe, unüberbrückbare Spaltungen gibt.

Leonie:  Man muss aber sagen, dass deine Meinung über den Abend vielleicht auch daherkommt, dass du bestochen wurdest: Du wurdest nämlich mit der Radikal-Yap-Cap gekrönt, die an die Person verliehen wurde, die am meisten mit geyappt hat.

Elmo: Okay, ich verstehe die Vermutung – aber es hat mir einfach unglaublich viel Spaß gemacht, mitzureden. Ich bin stolz, diese Cap zu besitzen und werde sie in die Welt tragen! Von uns also wärmste Empfehlung, falls ihr Zeit und Lust habt: Am Freitag, den 1. Mai, um 19 Uhr im Theaterzelt vom Radikal jung Festival – kommt vorbei und yappt mit uns über alles, was popkulturell gerade abgeht.

Mehr zu den Autor*innen

Er springt, er schleicht, er sucht. Und jetzt schreibt Elmo Hüller auch noch Kritiken. Mit einem abgeschlossenen Theaterwissenschaftsstudium arbeitet er als Theaterschaffender in der Freien Szene und nun auch beim Radikal Blog. Er freut sich.

Elmo Hüller (c) privat

Leonie Stöckle ist freischaffende Tänzerin, Tanzvermittlerin und Kulturjournalistin. Nach einem BA in zeitgenössischem Tanz in Köln macht sie momentan ihrem Master in Theaterforschung und kultureller Praxis an der LMU München und schreibt für die Magazine TANZ und tanznetz.de.

 

Leonie Stöckle (c) Leonie Wessel