Wie war der Entstehungsprozess deiner Inszenierung?
Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich es spannend finde, wenn wir mit den Proben beginnen, obwohl noch nicht viel Text existiert. Meist starten wir nur mit dem Material, also beispielsweise mit dem "Heidi"-Roman sowie den verschiedenen Serien und Filmen. Ein wichtiger Moment am Anfang war, dass ich eigentlich niemandem direkt die Rolle der Heidi zuweisen wollte. Ich fand es interessanter, wenn alle einmal Heidi sein könnten. So entstand die Idee, dass wir gar nicht genau wissen, wie Heidi aussieht. Im Roman wird sie auch sehr ambivalent beschrieben. Mal ist sie zart, mal kräftig. Ich fand es spannend, mit der Erwartung zu spielen. Ich lasse die Spielenden viel improvisieren, nehme das Material mit nach Hause und bringe es dann wieder mit, nachdem es einmal aufgeschrieben, festgehalten und verändert wurde.
In der Inszenierung wechseln sich ironische, humorvolle und sehr emotionale Momente ab. Wie findest du diese Balance?
Für mich ist Humor eine ganz natürliche Art, der Welt zu begegnen. Ich kann das gar nicht verhindern. Gleichzeitig interessiere ich mich sehr dafür, wann mich etwas emotional berührt. Außerdem mag ich das Spiel mit Genres. Wenn wir eine Szene proben, fragen wir uns oft: In welchem Genre könnte diese Szene stattfinden? Vielleicht ist es plötzlich ein Horrorfilm oder ein kitschiger Heimatfilm. Diese Vielfalt an Genres ist sehr spannend.