Im gemeinsamen Tanzen entsteht ein Moment, der selten ist. Eine Form von Verbundenheit, die nicht über Sprache funktioniert, sondern über Rhythmus, Bewegung und Nähe. Für einen Augenblick scheint es, als würde sich etwas erfüllen – ein Bedürfnis, das meist im Verborgenen bleibt: gemeinsam zu sein, sich zu begegnen, zu tanzen, ohne jeglichen Zweck. Gleichzeitig entfaltet sich eine sinnliche Dichte, die weit über das Visuelle hinausgeht. Der Raum ist voller Gerüche: Räucherstäbchen, Erde, Schweiß. Diese Mischung verstärkt den Eindruck, sich in einem Zwischenzustand zu befinden – irgendwo zwischen Aufführung, Tanz, Theater, Ritual und Sozialem Happening. Unweigerlich drängt sich die Frage auf, ob Menschen vielleicht einmal genau so frei aufeinander getroffen sind, bevor gesellschaftliche Normen und feste Formen des Zusammenseins entstanden sind.
Es entsteht eine Intensität, die an tranceartige Zustände erinnert. Mit zunehmender Dauer, Wiederholungen und monotonen basslastigen Klängen verdichtet sich die Dynamik, bis sich eine Form von Ekstase einstellt, die den ganzen Raum trägt. In diesem Moment wird auch die historische Grundlage des Stücks spürbar: der sogenannte "Veitstanz", jene Tanzwellen des Mittelalters, bei denen Menschen scheinbar unaufhaltbar bis zur endgültigen Erschöpfung tanzten. Peterschmitt und das Kollektiv greifen dieses Phänomen nicht illustrativ auf, sondern übersetzen es in eine gegenwärtige Erfahrung. Die "Tanzwut" wird nicht dargestellt, sondern erlebt.