Wie seid ihr also vorgegangen?
Wir haben erstmal versucht, die nordkoreanische Diaspora und verschiedene NGOs zu kontaktieren. Wir waren in Südkorea und haben in den Grenzregionen geforscht, waren beim Wiedervereinigungsmuseum und so weiter und so fort. So sind wir in Kontakt mit nordkoreanischen Menschen, die nach Südkorea geflohen sind, gekommen und konnten mit ihnen Interviews führen, auch in Deutschland. Natürlich ist die Sicherheit dieser Menschen ein großer Punkt, einige wollten keine Interviews führen und keine Infos herausgeben. Einige wechseln ihre Identität regelmäßig alle paar Monate.
Konnte der Theaterkontext den Leuten vielleicht ein bisschen Sicherheit gegeben?
Nicht unbedingt. Es gibt in Nordkorea keine Kunstfreiheit in dem Sinne. Jede vulnerable oder sensible Info, die du herausgibst, kann Folgen für deine Familie haben, die noch in Nordkorea ist. Deswegen haben wir gesagt, wir arbeiten mit Fiktion. Dafür haben wir verschiedene Geschichten zusammengebracht. Aus einem künstlerischen Sinn heraus, aber auch aus Gründen der Sicherheit.
Wie sieht diese Fusion aus Fiktion, Interviews und Recherche in "Hello" aus?
Da waren wir lange am Hadern. Wenn wir ein großes Theaterstück machen mit einer traditionellen Bühnensituation, ist es schwierig, den Menschen nahe zu kommen. Also haben wir gesagt, weil es so starke Stereotype gibt und die Nordkoreaner*innen so entmenschlicht werden, können wir vielleicht anders herangehen. Wir machen eine Datingshow. Nicht One-to-one-Dates, sondern Gruppendates mit drei fiktiven Figuren, die anhand realer Geschichten entwickelt wurden.