Nehmen wir den „Brandner Kaspar“, den Dauerbrenner des Volkstheaters. Wird man einen Unterschied bemerken?
Stückl: Den Brandner spielen wir jetzt seit 13 Jahren, er hat schon über 220.000 Zuschauer ins Haus gebracht. Da gehen Leute rein, die haben ihn schon 50-mal gesehen. Und dann sagen sie: ‚Also beim letzten Mal war er aber anders.‘ Der Schauspieler, der den Brandner spielt oder den Boandlkramer, der ist ja auch an einem Tag lustiger drauf und am anderen Tag geht‘s im schlechter. Und so spielt er das dann auch. Aber im Großen und Ganzen wird das Stück drüben nicht viel anders werden als hier.
Lück: Die Kulissen werden wir angleichen müssen an die etwas größere Bühne, aber ansonsten wird der Brandner gleich bleiben.
Haben Sie schon eine Farbe für den Hauptvorhang ausgesucht?
Lück: Haha! Nein, haben wir nicht. Ein Hauptvorhang ist meistens rot, oder? Für den Brandner Kaspar wäre rot wahrscheinlich gut.
Was wird sich im neuen Haus fürs Publikum verbessern?
Stückl: Ich glaube nicht, dass sich da groß etwas verändern muss. Das Residenztheater, die Kammerspiele, das Volkstheater – jedes der Münchner Theater hat sein Stammpublikum. Bei unserem hoffe ich, dass sie alle mit rüber gehen. Aber es gibt auch welche, die sagen: Jetzt verlieren wir in der Maxvorstadt unser Theater! Denen sage ich: dann kommt’s halt mit! Für die wird es schon anders, weil sie sich an einen neuen Ort gewöhnen müssen.
Ermöglicht das neue Haus auch neue Stilmittel für die Regisseure?
Lück: Es wird eine amtliche Bühne, wenn man das so sagen kann. Sie wird eine komplette Ober- und Untermaschinerie haben und eine große Drehscheibe. Da sind natürlich andere Stilmittel möglich. Du kannst schnellere Verwandlungen machen, eine größere Bühnenfläche bespielen, auch die Hinterbühne einbeziehen, die ja oft gar nicht zu sehen ist. Du kannst den Zuschauerraum auf das Niveau des Bühnenbodens heben. Und besonders bei unserer zweiten Bühne verändert sich viel, weil sie tatsächlich eine echte Bühne wird. Sie wird dreimal so groß wie unser Nachtkastl werden und doppelt so viele Plätze für die Zuschauer bieten.
Was macht einen modernen, einen zeitgemäßen Theaterbau aus?
Stückl: Mei, das ist schwer zu sagen. Ganz schwer! Früher war das Foyer oder der Zuschauerraum immer auch ein Repräsentationsraum, hell erleuchtet und mit schönen Lampen. Ich sage immer: Die Geschichte passiert auf der Bühne, deswegen brauche ich den ganzen Brimborium nicht. Außerdem hat man früher um jede Bühne ein Portal gebaut. Das bauen wir auch wieder, aber man kann es ganz wegfahren. Es darf keine Barrieren zwischen dem Zuschauer und der Bühne geben. Wir möchten das Publikum so nah wie möglich ans Geschehen heranbringen. Komplett neu erfinden kann man die Theaterräume ohnehin nicht.