Brechts Vorbild für die Figur des Arturo Ui ist Adolf Hitler. Welche Rolle hat das für dich bei der Vorbereitung gespielt?
Ich habe viel über Hitler gelesen, aber ich glaube, er spielt keine Rolle. Denn Hitler ist nur eine Parabel, es gibt genug aktuelle Beispiele weltweit, die ähnlich wie Arturo Ui agieren. Auch die habe ich mir anfangs sehr genau angesehen. Aber ich will keinen Trump spielen und auch keine Alice Weidel. Anstatt mich nur auf eine einzelne Person zu fokussieren, ist es mir wichtiger, auf all diejenigen zu zeigen, die nur zugucken und den Aufstieg eines solchen Menschen zulassen.
Geschrieben hat Bertolt Brecht dieses Stück 1941 im finnischen Exil, kurz darauf machte er sich auf den Weg in die USA. Dennoch wirkt es sehr aktuell und lässt Parallelen zur Gegenwart erkennen.
Brecht hätte das Stück genauso gut heute schreiben können, wenn vielleicht auch in leicht abgewandelter Form. Er sagte: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". Und die sinkt dramatisch ab, je größer die eigene Not wird. Das erleben wir derzeit auch. In einer Wirtschaftskrise öffnen Menschen ihre Arme für diejenigen, die in so einer konfusen Zeit vermeintliche schnelle Lösungen bieten. Auch deshalb muss man das Stück nicht mühevoll ins Heute ziehen, die Aktualität springt einen beim Zugucken von alleine immer wieder an.
"Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bertolt Brecht in Regie von Christian Stückl ist ab dem 19. März 2026 auf Bühne 1 des Münchner Volkstheaters zu sehen.