Ist in deiner Version noch etwas von der ursprünglichen "Emilia" übrig?
Ich wollte unbedingt Lessings Sprache übernehmen, der Original-Text ist wirklich wunderbar. Also habe ich Zitate von ihm als Stilmittel eingebaut, damit die Figuren in ihr ursprüngliches "Zuhause", in Lessings Sprache, flüchten können. Im Zuge des Schreibprozesses habe ich angefangen, Lessing richtig zu lieben – im Kontext seiner Zeit.
Du bist bekannt dafür, "Dokumentar-Theaterstücke" zu schreiben. Was genau ist damit gemeint?
Das alles wahr ist. Ich habe unglaublich viel recherchiert, dafür ging die meiste Zeit drauf. Erst im Anschluss habe ich das Gelesene dramaturgisch verarbeitet. Manches darin mag als Spinnerei wirken, aber es sind alles Fakten.
Wie kam es dazu, dass du dir dieses Stück vorgenommen hast?
Ich habe Philipp Arnold, den Hausregisseur des Münchner Volkstheaters, 2023 kennengelernt, als ich den Text "Das ewig Menschliche zieht uns hinab" für seine Inszenierung von "Fabian oder: Der Gang vor die Hunde" geschrieben habe. Die Zusammenarbeit mit ihm und der Dramaturgin Hannah Mey war wunderbar, das wollten wir wiederholen. Der Vorschlag zu "Emilia Galotti" kam von Hannah.
Du lebst in Berlin. Wie lief die Zusammenarbeit ab?
Wir haben uns nur einmal in Berlin getroffen, nachdem ich die erste Version des Stücks geschrieben hatte. Aber ich habe totales Vertrauen in Philipps Arbeit. Ich kenne kaum jemanden, der so genau mit Texten arbeitet und so nah an meinem Verständnis bleibt.