Wie ist deine Sicht auf das Stück?
Es sind einfach nur Menschen, die sich in Nashörner verwandeln, nicht mehr, nicht weniger. Das fand ich so toll. Man kann damit alles sagen, man kann sich aber auch allem verweigern. Das ist ein sehr zeitgeistiger Ansatz. Man kann alles ironisieren und sich aus der Affäre ziehen, indem man sagt, es war ja nur ein Spaß oder es war gar nicht ernst gemeint und die Kritik quasi schon in das Stück einbaut. Wir haben das Ganze weniger auf den Faschismus an sich inszeniert, um uns von einer eindeutigen Interpretation ein bisschen zu entfernen, sondern haben den Fokus mehr auf Massenphänomene und Populismus gelenkt. Bei uns sind die Nashörner eine Art Musical-Gruppe.
Wie hört sich das dann an?
Wir haben uns gefragt: Wie klingt es, wenn die Menschen keine Menschen mehr sind? Sie sind dann Nashörner oder Mitglieder einer Gruppe, in der sich das Individuum zugunsten der Gruppe auflöst und so die akustische Reibungsfläche verliert, die alles Menschliche in seiner Imperfektion in sich trägt. Wir sind daher auf KI-generierte Songs gekommen, weil das dem am besten entsprochen hat. Man hört es und findet es irgendwie geil und möchte dabei sein. Gleichzeitig ist es komplett seelenlos. Das war dann in den KI-Songs am leichtesten zu finden. Es ging uns in der ganzen Suche weniger darum, wem man nachläuft und wer der konkrete neue Anführer ist, sondern um die Frage, warum Menschen so gern gemeinsam rennen, wie Gruppenzugehörigkeit sich ausdehnt, inwiefern das Individuum sich in der Gruppe auflöst und was sich daran auch gut anfühlt.